15 März 2021

15. Mar, 2021


Die Sacramento Kings verkamen über die letzten Jahre mehr und mehr zur Lachnummer. Das größte Glück der Kings ist, dass im kommenden Draft einige hochkarätige Talente zur Verfügung stehen und das Team aus Kalifornien sich in aussichtsreicher Lage für einen Top-Pick befindet.

von LEON GÖHL @OlajuwonsE | 15. Mar, 2021


Die Sacramento Kings verkamen über die letzten Jahre mehr und mehr zur Lachnummer. Kaum ein Team wusste es, seine Fans sowohl sportlich als auch via Draft so zu enttäuschen, wie es die Kings über die vergangenen zehn Jahre taten. Lottery Picks wie Nik Stauskas, Ben McLemore oder Skal Labissiere lassen selbst den treuesten Anhängern einen Schauer über den Rücken laufen. 

Dieses Versagen wurde stets mit einem Mann assoziiert: Vlade Divac. Der ehemalige GM lieferte Fauxpas am Fließband und mündete im historischen Snub, als man sich im Draft 2018 für Marvin Bagley statt Luka Doncic entschied, der stattdessen nach Dallas ging und der texanischen Franchise in Windeseile ein neues Gesicht wie sportliche Relevanz gab. 

Es ist schon fast Ironie des Schicksals, dass Divac trotzdem in einem Atemzug mit der besten Kings-Zeit dieses Jahrtausends genannt wird, aber eben auch mit der Schlechtesten. Was Divac an sportlichem Wert für die Kings als Spieler hatte, ging ihm auf Managerebene ab. 

Seit Ende September hat nun Monte McNair das Zepter in der Hand. McNair ist mit 36 Jahren noch relativ jung, stammt aber aus der Daryl Morey Schule und scheint anders als Divac einen längerfristigen Plan zu verfolgen. In zwei bis vier Jahren soll das Team endlich "fertig" sein und rund um Franchise Star De'Aaron Fox im Westen angreifen. In Sacramento spricht man von einem sogenannten "Gap-Year", was dahingehend ironisch ist, als dass die Kings sich seit bald 15 Jahren im Übergang befinden. 

Dennoch glaubt man es ihnen irgendwo, da Fox der Franchise einen gewissen Glamour verleiht. Man startet nicht von Null und, viel wichtiger noch, Divac ist nicht mehr verantwortlich für die Entscheidungen. Im November bewiesen McNair und das Front Office ihr sportliches Verständnis und verpflichteten via Draft Tyrese Haliburton, keinen Spieler mit Star-Potential, aber einen mehr als soliden Starter, der sich perfekt neben Fox entwickeln dürfte und einen gewissen Gegenpol zu ihm bildet, denn des einen Schwächen sind des anderen Stärken. 

Die Kings könnten aber schon weiter sein, hätte man in der Vergangenheit vorausschauender gearbeitet. Marvin Bagley, den Zeit seiner Karriere Verletzungen plagen, wird für immer der Mann sein, der vor Luka Doncic gedrafted wurde und hat dennoch Potential. Es ist also irgendwo richtig von einem "Retooling-Jahr" zu sprechen, wo man doch seit 2006 nie mehr als 82 Spiele absolvierte (damals hat noch George W. Bush regiert). 

Hört man sich aber im Lager der Fans um, so sind dennoch nicht alle zufrieden. Einige monieren, dass selbst diese Saison das Play-In Turnier möglich sein sollte, wenn da nicht ein Mann auf dem Coaching Posten sitzen würde, der noch heute von seiner Zeit als Steve Kerrs Assistent zehrt.


Es überrascht vor allem deswegen, da die Kings normalerweise einen kurzen Geduldsfaden mit ihren Trainern haben und selbst einen Dave Joerger nach der ansprechenden Saison 2018/2019 entließen. Walton scheint aber, anders als sein Vorgänger, noch das Vertrauen der Spieler zu genießen und zeitweise wochenlang anhaltende Niederlagenserien rütteln nur mild an seinem Standing. 

Wie wichtig das ist, zeigte sich zuletzt in Atlanta und den Geschehnissen rund um Lloyd Pierce. Walton lobte zuletzt auch im Gespräch mit "The Athletic", wie gut der Austausch zwischen ihm und dem Front Office laufe. Für Walton ist dies wichtig, da er bei seiner vorherigen Station, den Lakers, ebenfalls von einem anderen GM verpflichtet wurde, ehe kurze Zeit später ein neuer starke Mann das Ruder übernahm und ihm so in LA zum Verhängnis wurde, nebst schlechtem Coaching. 

Einige würden sich dies auch bei den Kings wünschen und der Name Kenny Atkinson wird immer wieder genannt, der es in Brooklyn geschafft hat das Maximum aus seinem Kader herauszuholen und so etwas wie ein "Kultur" zu etablieren. Walton hat aber, für den Moment, noch ein paar (basketballerische) Argumente für sich. 

Zum einen wäre da Fox, der Medienberichten und Aussagen der Beiden zufolge, zu seinen größten Fürsprechern zählt. Was wenig verwundert, denn Fox spielt unter Walton die vermeintlich beste Saison seiner Karriere und rechtfertigt seine Vertragsverlängerung aus der Off-Season. 23 PPG, 7,6 APG und 3,2 RPG schreien in manchen Jahren nach All-Star, auch abseits des Platzes wächst er in die Rolle des Anführers und haderte nach der Niederlage gegen die Knicks mit sich und dem Team. 

"Ich denke es liegt an uns, wenn wir auf dem Feld stehen, wir müssen den Game Plan umsetzen. Wir verschlafen zu viele Situation, ich denke das sind keine Probleme der Trainer. Es liegt an uns, mit welchem Einsatz wir spielen, ausboxen oder Rebounds abgeben. Das hat nichts mit Coaching zu tun, sondern liegt ganz alleine an uns". 


Fox bekennt sich ganz klar zu seinem Trainer und liefert auch sportliche Argumente. Ähnlich wie Tyrese Haliburton. Der 12. Pick des diesjährigen Drafts überzeugt bisher auf ganzer Länge, führt die Second Unit an und ist in Clutch Situationen unglaublich abgebrüht. 13,2 PPG, 5,4 APG und 3,6 RPG bestätigen dies. 

Mit Fox harmoniert er bereits ausgezeichnet, da die beiden sich, wie oben bereits erwähnt, perfekt ergänzen. Er bringt Führungsqualitäten mit und schafft es durch seine gute Saison nationales Interesse auf sich zu ziehen, was auch Walton hilft, denn eine solche Entwicklung muss irgendwo auch durch den Coach gefördert werden, wobei es hier eher mangels Alternativen ist und wer weiß, wie gut Haliburton mit einem "echten" Coach wäre. 

Auch Marvin Bagley muss hier erwähnt werden, denn auch er entwickelt sich (sehr) langsam. Sein Vater forderte zwar einen Trade, doch Walton fördert Bagley und hat ihm zum Missfallen von Nemanja Bjelica vor der Saison zum Starter beordert. Bagley fängt zudem langsam an, sich am defensiven Ende zu verbessern, wobei die Kings hier aktuell historisch schlecht sind. Big Men brauchen meist länger, bis sie gänzlich zur Entfaltung kommen und Bagley, der nächstes Jahr in sein Contract Year geht, wird alles daran setzen, dann endlich den Status abzulegen, dass er der Typ ist, der vor Luka Doncic gedrafted wurde. 

Zusätzlich kommt Walton die Inaktivität des Front Offices in der diesjährigen Free Agency zugute. Kritiker mögen anmerken, dass man erwarten könnte, dass die Talente die Abgänge durch Entwicklungssprünge auffangen, doch man merkt durchaus den Verlust von Kent Bazemore und Bogdan Bogdanovic, die beide von der Bank kommend für Impulse sorgen konnten: Bazemore als Perimeter-Defender und Bogdanovic als sekundärer Ballhandler und Scoring-Option von der Bank. 

Das Ganze erschwert es einem Coach selbstverständlich und führt zu einer kurzfristigen sportlichen Stagnation. Da dies aber vor der Saison bewusst so geplant wurde, kann man weder Walton noch McNair hier einen Vorwurf machen. Eher noch muss man es schätzen, dass McNair ihm das nicht negativ auslegt, sondern weiter an seine Vision glaubt, dieses Team langfristig besser zu machen. 


Als letztes Argument, können die Verantwortlichen den "keine-Fans-Faktor" benutzen, um Waltons Job zu garantieren. Außerdem hat er noch einen Vertrag über zwei Jahre und 11,5 Millionen US-Dollar und die Gerüchte verdichten sich, dass Kings Owner Vivek Ranadive durch die Pandemie bereits 100 Millionen "verloren" habe, weswegen ein Rauswurf des Coaches aktuell schmerzhafter wäre, als unter normalen Bedingungen. 

Und als Nächstes? In gut zwei Wochen dürfte zur Trade Deadline einiges passieren, und auch die Kings dürften nicht untätig bleiben, da McNair nun erstmals seinen eigenen Namen unter Deals setzen kann, um somit seinem langfristigen Ziel einem potentiellen Schritt näher zu kommen. 

Corey Joseph und Bjelica dürften den ein oder anderen Interessenten haben, speziell Bjelica als Stretch Big könnte manchen Teams noch einen Zweitrundenpick wert sein. Hassan Whiteside taucht immer wieder in Gerüchten auf, doch es erscheint unrealistisch, als dass irgendein ambitioniertes Team ernsthaftes Interesse an seiner Person haben könnte. 

Anders dürfte das für Richaun Holmes gelten, dessen Vertrag ausläuft und den die Kings nicht zwingend für viel Geld halten sollten. Auch hier wäre es vorstellbar nochmals ein Asset abzugreifen, speziell von Teams, die nochmals Richtung Playoffs pushen wollen (Washington, Miami, Toronto)


Die spannendste Personalie dürfte Harrison Barnes sein. Sein 4-Jahre, 85-Millionen-Dollar Vertrag sieht mittlerweile nicht mehr so schlecht aus, und einige Teams könnten ernsthaftes Interesse am 28-Jährigen haben. Barnes hilft dem Team an beiden Enden des Feldes, überzeugt als vielseitiger Scorer und liefert von allem etwas. 

Er dürfte für alle an Jerami Grant interessierten Teams die leichter zu verpflichtende Variante darstellen und speziell Boston ergibt hier Sinn, da diese die Trade Exception von Gordon Hayward noch ihr Eigen nennen und massig Talente haben, die sie in einen Deal involvieren könnten. Aber auch Miami dürfte Interesse haben.

Selbst Buddy Hield ist nicht unantastbar. Einst noch als nächster Stephen Curry angepriesen, liefert er verlässliches Shooting und könnte damit auch wieder für Teams interessant werden, speziell da Haliburton ihn mittelfristig obsolet macht und er letzte Saison bereits mit Walton aneinander geriet, als dieser ihn auf die Bank beorderte. Da er für die Drei zu klein ist, könnte auch er in Kürze die Hauptstadt Kaliforniens verlassen. 

Das größte Glück der Kings ist, dass im kommenden Draft einige hochkarätige Talente zur Verfügung stehen dürften und das Team sich in aussichtsreicher Lage für einen Top-Pick befindet. Nutzt man diesen richtig, könnte dieses Jahr vielleicht sogar das vorerst letzte "Gap-Year" darstellen.