31 März 2021

31. Mar, 2021


Was brachte die Trading-Deadline 2021? Welche Teams haben hinzu gewonnen? Wer ging leer aus oder ließ sich über den Tisch ziehen? Und spielt das alles überhaupt eine Rolle im Titelkampf? Die Redaktion interpretiert die Moves der letzten sieben Tage.

von NBACHEFSQUAD @nbachef_de | 31. Mar, 2021

1.) Was war der beste Deal dieser Trading Deadline? 

Seb Dumitru @nbachefkoch: Was auch immer Miami mit Houston gemacht hat. Gar nicht zwingend, weil Victor Oladipo jetzt als Star zurück nach Florida kommt (wo er seine Profikarriere als Nummer zwei Pick der Orlando Magic begann) und sofort alles wegrasieren wird. Dafür hat er nach seiner schweren Verletzung (noch) zu wenig gezeigt. Aber Pat Riley hat nicht nur einen 20-PPG-Scorer für die Fussel in seiner Hosentasche und ohne einen einzigen Rotationsspieler abzugeben stibitzt, sondern auf einen Schlag die eigenen Möglichkeiten für einen Blockbuster-Trade im Sommer multipliziert und sich obendrein sportlich besser für den kommenden Stretch Run positioniert. 

Lucas Kröger @kicktherim: Vucevic in Chicago ist eine ganz nette Geschichte. Ob die Bulls das in zwei, drei Jahren allerdings immer noch denken, wenn der Center alt und LaVine aberwitzig teuer sein wird? Ich entscheide mich für den Rondo-Lou-Will-Swap. Unfassbar, dass Atlanta einen brauchbaren Spieler, zwei Seconds und Cash für Rondo abstauben konnte. Auch für Williams ist der Deal überragend, Magic City hat doch so leckere Hot Wings!

Gerrit Lagenstein @GAL_Sports: Ich gehe mit Victor Oladipo, obwohl er mir in meiner Fantasy-Liga ebenfalls angeboten wurde und ich abgelehnt habe. Da hätte ich aber auch Khris Middleton abgeben müssen und nicht das Tandem Olynyk-Bradley. Die Heat werden gut ohne die beiden auskommen und der Draft Pick Swap ist eher von theoretischer Natur, denn Houstons Auswahl wird mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit vor der der Heat liegen. Wenn Oladipo seine vor Kreuzbandriss-Form erreicht, ist er für Miamis Playoff-Push genau der richtige Mann.

Leon Göhl @OlajuwonsE: Terence Davis. Die Kings schnappen sich für einen 2nd-Rounder einen zukünftigen All-Star, mit dem sie gänzlich ins Titelrennen eindringen... Spaß beiseite: Aaron Gordon. Gordon bekam seinen Wunsch und wird nun erstmals bei einem ambitionierten Verein die Chance bekommen, sein ihm durchaus attestiertes Talent abzurufen. Für ihn ist es gut, da er in Denver maximal die 3. Option sein wird und ihm so einiges an Offensiv-Last genommen wird. Defensiv kann er theoretisch alles verteidigen und wie gut Switching-Konzepte in schlechten Defensiv-Teams funktionieren, hat Houston die letzten Jahre gezeigt. Zudem für einen moderaten Preis abgegeben.

Stefan Dupick @hoopsgamedeEtwas langweilig, aber für mich ganz klar Oladipo zu den Heat. Wenn es funktioniert, dann haben die Heat einen sehr guten dritten oder vierten Mann für die Playoffs. Funktioniert es nicht, dann ist das fast egal, denn Miami hat keinen Spieler verloren, der für die Playoffs wirklich wichtig wäre.


2.) Wie beeinflussen die Deals der letzten Woche das Titelrennen? 

Dupick: Die Nuggets mit Gordon könnten im Westen eine Rolle spielen, allerdings nur, wenn die Lakers nicht fit werden. Die Heat sind besser als zuvor (Siege oben), gegen die Nets oder die 76ers wird die Luft jedoch dünn.

Dumitru: Durchaus, auf vielen Ebenen und bei vielen Contendern. Von PJ Tucker bei den Bucks, über George Hill bei den Sixers, über Brooklyns Buyout-Fischerei, hin zu Miamis massiver Stärkung der Playoff-Rotation: jeder Ost-Klub, der sich Hoffnungen aufs NBA-Finale macht, ist besser als vorher. Auch im Westen haben die Nuggets, Lakers und Clippers mit Blick auf den bevorstehenden Postseason-Fleischwolf und ihre eigene personelle Unvollkommenheit nachgerüstet. 

Kröger: Gar nicht. Klar, Aaron Gordon für Denver oder Victor Oladipo für die Heat sind nette Additionen. Doch werden LeBron und AD oder Durant und Kyrie zu den Playoffs fit, wird an deren Status als Top-Contender nicht zu rütteln sein. 

Lagenstein: Vermutlich weniger als die meisten Fans hoffen. Wann hat zuletzt ein Deadline-Deal ein Team zum Champion gemacht? Zwar haben bis auf die Lakers alle großen Titel-Kandidaten einen Trade eingetütet. Dass Matt Thomas, George Hill oder JaVale McGee in einer möglichen Finalserie Crunchtime-Minuten gehen, sehe ich aber eher nicht.

Göhl: Gar nicht. Sowohl die Lakers, als auch die Nets sollten weiterhin die großen Favoriten bleiben und beide haben sich bekanntlich nur via Buyout verstärkt. Portland, Denver und Chicago haben allesamt nette Moves gemacht, doch für die Finals braucht es mehr. 


3.) Wer war der Loser der Trading Deadline? 

Göhl: Es fällt mir schwer das zu sagen, doch Houston ist der große Verlierer. Victor Oladipo wurde zum Spottpreis abgegeben und der Harden Deal (sofern die Picks nicht gut werden) sieht immer schlechter und schlechter aus. Da hätte man den personifizierten Tank-Lord auch behalten können.

Dupick: Die Rockets zu nennen wäre zu einfach, immerhin bauen sie gerade den Kader für ein gutes G-League Team auf, daher gehe ich mit Boston. Die Celtics wollten Gordon oder Vucevic und am Ende bekommen sie Fournier - ein guter Scorer, der für die Kelten jedoch nicht den Unterschied machen wird.

Dumitru: Houston. Natürlich muss man darauf zurück kommen, dass sie Caris LeVert und/oder Jarrett Allen hätten behalten können, anstatt einen nur langsam in Form kommenden Victor Oladipo ein paar Wochen lang für diesen inkohärenten Hühnerhaufen auflaufen zu lassen. Dass sie Dipo dann aber auch noch für zwei Dukaten und einen gebrauchten Pferdesattel nach Miami schickten, setzt einem der katastrophalsten Superstar-Trades aller Zeiten die Krone auf. Houston hat für einen der besten Spieler der Welt am Ende null vielversprechende Talente, null Spieler mit Sofort-Impact und fast ausschliesslich Draft-Picks akquiriert, die so weit in der Zukunft (oder so tief unten) liegen, dass Coach Silas und der halbe Kader bereits in Ruhestand sein dürften, bis da mal irgend etwas geht.

Lagenstein: Alles andere als die Houston Rockets wäre widersprüchlich zu meiner ersten Antwort, denn wo es einen Gewinner gibt, muss es auch einen Verlierer geben. Die Raketen sind es umso mehr, weil Oladipo nunmal der Trade-Gegenwert von James Harden war. Indirekt wurde der Bart also für Kelly Olynyk und Avery Bradley eingetauscht. Klar, es gab noch reichlich First-Rounder obendrauf. Doch die garantieren noch lange keinen Spieler von Hardens Format.

Kröger: Als Houston-Fan möchte ich nicht darüber sprechen. Oder schreiben. Oder lesen... Wann ist noch gleich Lottery-Night?


4.) Welcher Deal, der nicht passiert ist, hat dich am meisten überrascht?

Kröger: Ich hätte echt erwartet, dass sich die Knicks zu einem Deal für den Playoff-Push hinreißen lassen. Wie aktiv sie letztendlich an den Hörern waren ist unklar. Fakt ist, dass sie momentan sowohl auf dem Feld als auch im Front Office einen vernünftigen Eindruck machen.

Göhl: Kyle Lowry. Was wurde nicht alles spekuliert. Miami, Philly und gar die Lakers. Am Ende blieb der Groat in Tampa und wird Philly nicht im Titelrennen helfen können. Schade, hätte ich mir extrem spannend vorgestellt, doch durch den Titel 2019 ist eine Cinderella Story (sofern er im Sommer bleibt) doch auch was nettes. 

Dupick: Ich war mir sicher, dass Kyle Lowry wechselt, zum einen weil er wechseln will und weil ein Team „zu viel“ bietet. Beides nicht der Fall, Lowry bleibt ein Raptor und die Heat, Lakers und 76ers müssen ohne den Veteranen auskommen. 

Dumitru: Kyle Lowry zu den Lakers, Sixers oder Heat. In allen drei Fällen scheint entweder der Preis, den Masai Ujiri fürs seinen Dauer-Allstar und NBA-Champion von 2019 verlangte, zu hoch gewesen zu sein. Oder die interessierten Teams waren nicht bereit, etwas von Wert für den jetzt 35-Jährigen abzugeben, der zudem im Sommer Unrestricted Free Agent wird. Damit fiel das vielleicht größte erhältliche Puzzleteil, das im Meisterschaftsrennen den Unterschied hätte machen können, vom Tisch. 

Lagenstein: Bradley Beal, aber nicht weil ihn das Management der Wizards nicht getradet hat, sondern weil der Shooting Guard das Team nicht wechseln will. Seine Hoffnung, der Nowitzki Washingtons zu werden, in allen Ehren. Aber sind wir mal ehrlich: Dirk hätte nicht 21 Jahre in Folge in Dallas gespielt, wenn die Mavericks jahrelang ein Kellerkind gewesen wären. Die Frage stellt sich natürlich nicht, weil sie das nicht waren. Die Hauptstädter hingegen schon.


 5.) Welcher Buyout-Move dieser Saison wird den größten Einfluss haben? 

Lagenstein: Schon mal nicht Blake Griffin, denn wie der jetzige Net richtig meinte: Wie kann ein Spieler in so kurzer Zeit von einem der schlechtesten der Liga zu einer ernsthaften Gefahr werden? Ich gehe mit Andre Drummond. Der gibt den Lakers die Chance von der Center-Position mehr als die 5 Punkte und 4 Rebounds zu bekommen, die Vorruheständler Gasol dort bisher auflegte.

Kröger: Brooklyn dürfte in den Playoffs merken, dass LaMarcus Aldridge in entscheidenden Lineups nichts verloren hat. Daher gehe ich mit André Drummond. Ihm könnte durchaus Ähnliches bevorstehen, doch die Lakers gewinnen mit ihm an Varianz, die ich von keinem der anderen Buyout-Guys erwarte.

Göhl: Rein sportlich gesehen, Andre Drummond. Drummond wird fortan einer der besten Center sein, da sein Preisschild weg ist. Aus sentimentaler Sicht 'Boogie'. Und geht es darum, wer am Ende Champion wird, so würde ich hier auf Blake Griffin und LaMarcus Aldridge tippen. Inwiefern sie am Ende tatsächlich sportlich helfen, darf hinterfragt werden, doch mein Pick für den kommenden Meister lautet Brooklyn und dadurch müssen die Beiden hier genannt werden. 

Dupick: Drummond bei den Lakers. Ob er in den Playoffs viel Spielzeit findet, wird sich zeigen, aber immerhin liefert er Rebounds und könnte dafür sorgen, dass AD auf der Vier spielt - ich bin echt gespannt, wie ein Lineup mit dem King, AD und Drummond aussieht und ob der Center gewillt ist, Defense zu spielen, denn sonst gibt es garantiert einen Einlauf, und zwar vom King höchstpersönlich.

Dumitru: Andre Drummond. Der Big Man belebt die etwas eingeschlafenen Repeat-Hoffnungen des Champs wieder und schließt Lineup-Lücken, die weder der an den Spätfolgen von COVID laborierende Marc Gasol, noch der viel zu kleine und defensiv anfällige Harrell schließen konnten. Am Ende steht und fällt alles selbstredend mit LeBron und A.D. - ein mobiler Brummer wie Drummond kann jedoch helfen, Dinge eher stehen als fallen zu lassen.