15 April 2021

15. Apr, 2021


"For 15 years, I've put basketball first, and now it is time to put my health and family first." - LaMarcus Aldridge gab gestern im Alter von 35 Jahren plötzlich und überraschend seinen Rücktritt vom Profibasketball bekannt.

von LEON GÖHL @OlajuwonsE | 15. Apr, 2021


Es fühlt sich immer ein wenig so an, als würde man einen Nachruf verfassen, wenn ein NBA-Spieler sein Karriereende verkündet. Zumindest bei denen, die man mit eigenen Augen auf dem höchsten Level hat spielen sehen. Nun fängt es also an, dass sich auch die Spieler verabschieden, die mich in meiner noch jungen Zeit als Fan begleitet haben. LaMarcus Aldridge ist der Erste von noch vielen nach ihm Kommenden. 

Aldridge ist ein Spieler, das merkt man heute besonders, bei dem es einem doppelt wehtut, dass er fortan nicht mehr seine Turnschuhe schnürt, um auf Körbejagd zu gehen. Doppelt dahingehend, dass sein Karriereende ein Stück weit fremdbestimmt ist. 

Die letzten beiden Spiele der Nets verpasste er aufgrund eines unregelmäßigen Herzschlags während des Spiels gegen die Los Angeles Lakers. Es sollte sein letztes gewesen sein, denn nach dem Spiel habe es sich sogar verschlimmert, ehe ihn die Nets am nächsten Tag ins Krankenhaus brachten. Es gehe ihm mittlerweile zwar besser, doch Aldridge empfand es als eine der angsteinflößendsten Sachen in seinem bisherigen Leben und hat nun die Entscheidung getroffen, die den meisten Athleten am schwersten fällt. 


Die eigene Karriere hat er am heutigen Donnerstag beendet und damit auch die Möglichkeit auf einen Titel. Selten standen die Chancen so gut wie diese Saison, doch generell zieht sich ein gewisses Unglück durch Aldridges Karriere. 

Eine NBA-Karriere, die 2006 im Maddison Square Garden begann. Damals zogen ihn die Portland Trail Blazers an Position 2. Durch einen Trade mit Minnesota bildete die Blazers direkt eines der interessantesten Duos der Liga, da der an Position 6 gezogene Brandon Roy ebenfalls in Portland sein sportliches Zuhause fand. 

In seiner Rookie Saison musste er sich noch hinter dem vier Jahre älteren Zach Randolph anstellen, doch spätestens ab 2007 hatten er und Roy die Zügel des Teams in der Hand. 2008 wählten die Blazers Greg Oden und Nicolas Batum im Draft aus und stellten so die Weichen für eine erfolgreiche Zukunft. Bis 2011 erreichten sie immer die Playoffs, schieden dort aber stets in der ersten Runde aus. 

Es lag nicht an Aldridge, der sich mittlerweile zum All-Star gemausert hatte. Vielmehr an der Gesundheit seiner Mitspieler. Sei es Greg Oden, Gerald Wallace oder am schmerzhaftesten, Brandon Roy. Letzterer war ein Spieler, der vor Talent und basketballerischem Können nur so strotzte, dessen Körper aber nicht mitspielte. 

Das Team zerfiel nach der Niederlage gegen die Mavs und Portland retoolte zwei Jahre lang. Schließlich kam Aldridge langsam aber sicher in das Alter, in dem man seine Prime bestmöglich nutzen sollte. 2012 fiel den Blazers an Position 6 Damian Lillard in den Schoß und 2014 gewann Aldridge dann erstmals eine Playoff-Serie, an die sich speziell Houston-Fans noch äußerst schmerzhaft erinnern. 


Aldridge wusste immer, seinen großen Körper im Post einzusetzen, hatte einen weichen Wurf und erzielte aus der Mitteldistanz mit traumwandlerischer Sicherheit Punkt um Punkt. Auch wenn das in Deutschland keiner hören möchte, war Aldridge so etwas wie die amerikanische Kopie von Dirk Nowitzki. 

Er war nie der lauteste Spieler mit glänzenden Statistiken, die einen Fan aus dem Hocker reißen, aber Aldridges Spiel war intelligent und effektiv. Kleinere Spieler dominierte er physisch, gegen größere nutzte er seinen Wurf. Selbst im hohen Alter noch konnte er sich anpassen, trainierte sich einen Dreier an und spielte so noch durchaus relevante Minuten für die San Antonio Spurs. 

Apropos San Antonio. Der Franchise aus Texas schloss er sich im Sommer 2015 an, nachdem er mit Portland einmal mehr früh in den Playoffs gescheitert war und sich erhoffte, dies mit den Spurs zu ändern. San Antonio zum Einen, weil er selbst aus Texas stammt, dort an der University of Texas, spielte und zum anderen, da San Antonio noch ein letztes Mal mit dem alternden Trio Duncan, Ginobili & Parker angreifen wollte. In einer aufreibenden Serie scheiterte San Antonio an den Oklahoma City Thunder. 


Im Jahr darauf baute Aldridge zwar etwas ab, doch erreichte erstmals die Conference Finals, bei denen sich viele Fans noch heute fragen, was passiert wäre wenn Zaza Pachulia Kawhi Leonard nicht verletzt hätte. In den beiden folgenden Jahren errang er seine sechste und siebte All-Star-Auszeichnung, doch die Dominanz der Spurs schwand. Kawhi Leonard verließ das Team und im letztjährigen Sommer verpassten die Spurs erstmals seit 22 Jahren die Playoffs. 

Ähnlich erging es Aldridge, der alt wirkte, nicht mehr zur heutigen Liga zu passen schien und dennoch vor wenigen Wochen die größte Chance auf den lang ersehnten Titelgewinn bekam, als ihn die Spurs aus seinem Vertrag herraus kauften und er sich den Brooklyn Nets anschloss. Nun macht ihm seine Gesundheit einen Strich durch die Rechnung, die Karriere ist vorbei.

Was bleibt sind 15 Jahre als Profi, sieben All-Star Ehrungen, fünf Mal All-NBA und eines der schönsten Midrange Games der letzten Jahre. Aldridge dürfte mit großer Wahrscheinlichkeit in die Hall of Fame berufen werden, und das auch völlig zurecht. Nun ist es an der Zeit sich auszukurieren, gesund zu werden und Zeit mit der Familie zu verbringen. Der Ruhestand sei ihm gegönnt.