13 April 2021

13. Apr, 2021


Die bisherige Saison der Minnesota Timberwolves passt zum ramponierten Image der Franchise aus dem kalten Norden. Ist Besserung in Sicht? Über den aktuellen Stand bei einem der schlechtesten Teams der NBA...

von MICHAEL "HUBY" HUBER @nbachef_de | 13. Apr, 2021


Die bisherige Saison der Minnesota Timberwolves hat das Potenzial für eine Seifenoper. Das Team, das seit März die schlechteste Bilanz im gesamten amerikanischen Profisport aufzuweisen hat und seit dem Kauf durch Glen Taylor 1994 mehr Niederlagen angehäuft hat, als jedes andere NBA Team, macht seinem mehr als ramponierten Ruf wieder alle Ehre. 

Neben tragischen Schicksalsschlägen (die Mutter von Karl Anthony Towns starb an COVID), kriminellen Verfehlungen (Malik Beasleys Waffen- und Drogenvergehen), der Rückkehr des verloren geglaubten Sohnes (Ricky Rubio), einer Scheidung, bei der der Nachfolger schon lange feststand (Coaches Ryan Saunders und Chris Finch), Krankheiten, das Ganze garniert mit einer Informationspolitik, die dem Motto „What happens in the family stays in the family“ folgt, gäbe es genug Stoff für mehrere Staffeln.

Aber wo stehen die Wolves jetzt? Um den General Manager der Wolves, Gerrson Rosas, zu verstehen, muß man ein wenig zurückblicken. Rosas (und übrigens auch Coach Finch) war einst Teil des D-League Teams der Houston Rockets, den Grand Valley Vipers. 


Dort wurden damals Grundprinzipien ausprobiert, die die gesamte NBA nachhaltig geprägt haben: Weg vom Mitteldistanzwurf, exklusiv hin zum Dreier und Nahdistanzwurf, Smallball bis zum Umfallen, die Statistiker und Analysten hielten nachhaltiger als je zuvor Einzug im Profibasketball. Die Rockets trieben diese Philosophie mit Rosas im Management unter Daryl Morey dann auf die Spitze. 

Und so ist auch der aktuelle Timberwolves-Kader konstruiert, wenn man sich die potentielle Starting Five der Zukunft ansieht: D'Angelo Russell auf der Point Guard Position, Beasley als Shooting Guard, Anthony Edwards und Jaden McDaniels auf den Forward Positionen, „KAT“ Towns auf der Fünf. 

Dort sucht man dann zumindest eines vergebeblich: Defense. Der Rookie McDaniels, übrigens ein Draft-Steal an Position 27, ist der einzige legitime Two-Way-Player. Towns hat sich zwar deutlich verbessert, spielt aber zu foulintensiv und dahinter kommt erstmal nicht viel. 


Was ist also die Spielphilosophie der Wolves? Den Gegner in jedem Spiel outscoren? Das Talent dafür wäre zumindest da. Der Nummer 1 Pick „Antman“ Edwards zeigt mit fortlaufender Saison immer mehr sein enormes offensives Potenzial. Russell und Beasley können aus allen Rohren von Downtown feuern. Und KAT ist inside und outside eine der besten Offensivwaffen der NBA - aber reicht das in einer Liga, in der wieder vermehrt zwei Big Men auf dem Feld stehen? Genau gegen diese Teams tut sich Minny zur Zeit extrem schwer. 

Es fällt nicht leicht, die Glaskugel auszupacken und in die Zukunft zu blicken, da zu allem Überfluss Minnesotas Pick im kommenden Draft nur Top-3 geschützt ist, und als Überbleibsel des Russell-Trades für Andrew Wiggins ansonsten an die Golden State Warriors fällt. 


Wie verhält man sich also als Minnesota in den verbleibenden knapp fünf Wochen? Tankt man und versucht, so viele Spiele wie möglich zu verlieren, obwohl die Chance auf einen Top-3 Pick als schlechtestes Team ohnehin nur bei 40% liegt? Oder versucht man, die Mannschaft auf die Gewinnerspur zu bringen, um für nächste Saison gewappnet zu sein? 

Momentan ist es vielleicht eine Mischung aus beidem, zusammen mit einem Entwickeln der Talente wie Edwards und McDaniels. Eine vorsichtige Umstrukturierung des Kaders in der Offseason, einhergehend mit der Verpflichtung eines Power Forwards (ob McDaniels aufgrund seiner Physis auf der 3 oder 4 landen wird, muss sich zeigen) und der Verinnerlichung des Spielsystems von Coach Finch, der sogenannten 'Corner Offense', die auf Ballbewegung und einem High Post Player, meistens Towns, als zentralen Punkten basiert, sind die Hauptaugenmerke in Minnesota.


Reicht das alles, um künftig ein Playoff-Team zu sein? Zumindest Platz 10 und das Play In Tournament sind im Bereich des Möglichen. Alleine schon der positive Blick nach vorne ist etwas, das einen als Fan der Minnesota Timberwolves über Wasser hält und die triste Gegenwart in den Hintergrund treten läßt. 

Und als ob das alles nicht genug wäre, werden die Wolves jetzt auch noch verkauft, und zwar an den ehemaligen Major League Baseball MVP Alex Rodriguez und seinen Milliardärsfreund Marc Lore, die nach einer Übergangszeit von zwei  Jahren dann die Zügel übernehmen sollen. Ob das Team dann nicht einer Relocation entgegenblickt, wird die Zukunft zeigen. Angeblich soll der Standort Minnesota sicher sein. Angeblich.