03 April 2021

3. Apr, 2021


Ein wilder Monat aus deutscher Sicht. Drei der sechs Legionäre haben das Team gewechselt und einer stand durch eine abgelehnte Vertragsverlängerung im Fokus. Es hat sich viel geändert. Umso wichtiger, sich die Teutonen noch einmal genauer anzuschauen. Was hat sich geändert? Was läuft besser, was schlechter? Und wie sind die Perspektiven? Die NBAchef-Küche liefert euch den nächsten Kraut-Report.

von BJÖRN PAHLKE @newera0813 & GERRIT LAGENSTEIN @GAL_Sports | 3. Apr, 2021


DENNIS SCHRÖDER

#17 | Los Angeles Lakers | Guard | 27 Jahre

In der NBA seit: 2013
Status:
Starter

Dennis Schröder ist der Star, mit dem die Lakers werben. Zumindest war das in einigen Spielen der Fall, seitdem neben Anthony Davis auch noch LeBron James beim Titelverteidiger ausfällt. Da muss Schröder nicht nur in der Vermarktung sondern auch auf dem Parkett mehr Verantwortung übernehmen. Das ergab bisher durchwachsene Ergebnisse. Der Guard erzielte seit der Verletzung von James zwar immer mindesten 15 Punkte, unter dem Strich gab es aber mehr Niederlagen als Siege.

Nun wäre das wahrscheinlich bei jedem Team der Fall, das auf seine beiden besten Spieler verzichten muss. Gänzlich zufrieden scheinen die Lakers mit dem 27-Jährigen aber trotzdem nicht zu sein. Sonst hätten wir Schröder nicht ständig in Trade-Gerüchten gehört, die Kyle Lowry nach Los Angeles bringen sollten. Bekanntermaßen kam es anders und um Schröder im Sommer nicht ohne Gegenwert zu verlieren, scheint nun auch eine vorzeitige Vertragsverlängerung denkbar zu sein.

Der gebürtige Braunschweiger scheint aber weiter nicht bereit zu sein, einen Discount hinzunehmen, um bei einem der größten Titelanwärter zu spielen. Kürzlich soll er einen Vertrag abgelehnt haben, der ihm 84 Millionen Dollar über die nächsten vier Jahre eingebracht hätte. Ob die Lakers bereit sind, noch mehr Geld in einen Aufbauspieler zu investieren, der im März zum ersten Mal in dieser Saison zweistellige Assists auflegte? Die restliche Saison wird es zeigen.


MAXI KLEBER

#42 | Dallas Mavericks | Forward | 29 Jahre

In der NBA seit: 2017
Status:
Starter

Die Mavericks sind wieder voll auf Playoff-Kurs. Die lange Verletzungsmisere findet nach einer zähen Phase endlich sein Ende. Diese Beschreibung lässt sich so auch auf die Leistung von Maxi Kleber übertragen. Endlich ein voller Monat auf Top-Niveau. Nicht nur die Mavs gewinnen neun von 14 Spielen, sondern auch Maxi erreicht wieder sein gewohntes Level.

Damit scheint klar, dass der Würzburger die Covid-Erkrankung endgültig überwunden hat. Aus persönlicher und aus Sicht der Franchise erfreulich, denn er ist entscheidend für den Teamerfolg. Dass er neben Josh Richardson der einzige Spieler ist, der im März alle Spiele startete, beweist seinen Stellenwert. 

Selbstverständlich erweist er seinen größten Dienst in der Defensive, doch auch in der Offensive hat er mittlerweile seine Rolle gefunden. Im März spielt er nicht nur mit über 30 Minuten die meisten pro Monat, sondern fängt auch mehr Rebounds (5,9) und erzielt eine größere Anzahl an Punkten (9,1).


Diese Zahlen machen ihn sicher noch nicht zu einer offensiven Macht, doch seine Effizienz ist beeindruckend. Kleber trifft auch im März noch über 40 Prozent seiner Würfe von Downtown und kann sich ligaweit auf Platz 12 halten. Dass er seinen Dreier trifft, war bekannt. Aber so eine hohe Quote hätte er glaube ich selber kaum für möglich gehalten. In engen Spielen wird er sogar zur Option, wird in Crunchtime ein Dreier benötigt.

Weiterhin kann die Nummer 42 die gesamte Wurfquote im vergangenen Monat über 40 Prozent halten, was zu einem True Shooting von 63,2 Prozent führt. Also: Kleber hat großen Anteil daran, dass die Mavs wieder in die Erfolgsspur gerieten. Leider sind seine beste Perfomances immer mit Niederlagen verbunden. 16 Punkte, vier Rebounds und vier Assists gegen Portland oder 14 Punkte und 7 Rebounds gegen die Pelicans gehen unter, weil das Team als Verlierer das Parkett räumte. Im Endeffekt kann Kleber mit seinen jüngsten Leistungen aber sehr zufrieden sein.


DANIEL THEIS

#27 | Chicago Bulls | Center | 29 Jahre

In der NBA seit: 2017
Status:
Bankspieler

Auch wenn Gerüchte durchaus vorhanden waren, letztlich kam der Umzug nach Chicago sicher auch für Daniel Theis überraschend. Im Tausch gegen Moritz Wagner landete der Center nach vier Jahren in Massachusetts bei den Bulls. Seine Zeit bei den Celtics "wird er immer in Erinnerung behalten" und wird auch immer seinen Platz in den Herzen der Fans inne haben. 

Dabei lief es im März für den ehemaligen Braunschweiger persönlich gar nicht mal schlecht. Sechsmal konnte er zweistellig das Scoreboard füllen und kam dabei sogar zu zwei Double Doubles. Seine durchschnittlichen Zahlen änderten sich aber dennoch kaum, was auf die deutlichen Ausreißer nach unten zurückzuführen ist. Zweimal standen am Ende Null Punkte zu Buche.

Am Ende reichte es zu 9 Punkten und 5 Rebounds, wobei 2,3 Assists einen monatlichen Bestwert markieren. Problematisch wird allerdings seine sich zwischenzeitlich verbessernde Dreierquote. Nur 22,2 Prozent seiner Würfe von Downtown fanden im vergangenen Monat sein Ziel. Im Endeffekt sind es aber weiterhin seine Hustle-Plays, die ihn auszeichnen.

Daher fällt es schwer, ihn für die miserable Phase der Celtics verantwortlich zu machen. Boston droht aus den direkten Playoffs herauszufallen - und das obwohl sie in Tatum und Brown zwei echte All-Stars besitzen. Die traditionsreiche Franchise sah sich gezwungen aktiv zu werden und entschied sich dafür, einen Teil loszuwerden, der sich immer in den Dienst der Mannschaft gestellt hatte.


Die Celtics werden diesen Wechsel verkraften können, weil ihre Big-Rotation breit genug ist. Wer richtig davon profitiert, sind die Bulls. Theis verliert zwar seine Starterrolle, wird aber in Windy City einen enormen Einfluss auf das Spiel von der Bank haben. Auch die Fans in Chicago haben ihn bereits ins Herz geschlossen. 

Vielleicht tut Daniel der Wechsel gut, um sich für einen längst verdienten höher dotierten Vertrag zu empfehlen. Doch bisher haben die neuen Akquisitionen in Chicago nicht eingeschlagen. Letztendlich könnte der Wechsel auch nur eine Reise von Krise zu Krise bedeuten. 


ISAIAH HARTENSTEIN

#55 | Cleveland Cavaliers | Center | 22 Jahre

In der NBA seit: 2018
Status:
Starter

Auch Isaiah Hartenstein blieb nicht von der wilden Trade Deadline-Lawine verschont. Im Tausch gegen Javale McGee verschifften ihn die Denver Nuggets nach Cleveland. Ein Wechsel, der sich als gewinnbringend herausstellen könnte.

Auch wenn Hartenstein im hohen Norden immer auf seine Minuten kam, schlussendlich überstieg er nie den Status des Perspektivspielers. Durch die Verpflichtung von Aaron Gordon wäre klar gewesen, dass sich seine Rolle verkleinern würde. Auch wenn seine Chancen auf Playoffs und die Hoffnungen auf die Finals damit verschwunden sind, ermöglicht der Umzug nach Cleveland, seinen Namen zu vergrößern.

Aus seiner kleinen Rolle in Mile-High-City konnte er auch im März das Maximum rauskitzeln. Immer häufiger spielte er mehr als zehn Minuten. Gegen Indiana bewies er zudem, dass er durchaus auch für mehr bereit sein kann, indem er in elf Minuten sieben Punkte, drei Rebounds und zwei Assists lieferte. Es lässt sich das Fazit ziehen, dass es ein durchweg solider Monat war.

 
Mit dem Trade nach Cleveland beginnt für Hartenstein zwar wieder ein neues Kapitel, doch es ergeben sich auch neue Möglichkeiten. Er konnte sich direkt in die Starting Lineup kämpfen und wusste dort sehr zu überzeugen. In seinem ersten Spiel gegen Utah scorte er fünft Punkte, fing 14 Rebounds und brachte seine Mitspieler mit sieben Assists in Szene. 

Aus einer Nebenrolle in Houston, einer Perspektivrolle in Denver scheint sich ein Platz im Scheinwerferlicht zu entwickeln. Die Konkurrenz in Cleveland ist kleiner, der Druck geringer, die Chance, heraus zu stechen, größer. Für Hartenstein endet ein solider Monat optimal!


MORITZ WAGNER

#20 | Boston Celtics | Center | 23 Jahre

In der NBA seit: 2018
Status:
Talent

Moe hat in diesem Monat mal wieder so ziemlich alles gesehen. Der Berliner begann den Monat als der Starter der Wizards, beendete ihn auf der Bank der Celtics und stand zwischendurch auch noch einige Stunden bei den Bulls unter Vertrag. Aber der Reihe nach. Zwölf Punkte, drei Rebounds wie Steals im Spiel gegen die Clippers waren die Höhepunkte für den Hauptstädter. Dass der gebürtige Berliner schnelle Hände hat, bewies er auch einige Tage später, als er den 76ers sogar viermal den Ball stibitze.

Unglücklicherweise saß er danach ebenso schnell wieder am Spielfeldrand, wie er im Februar in die Startformation gerutscht war. Es folgte nur noch ein weiterer Einsatz für die Wizards, was die Vermutung nahelegt, dass Washington nicht erst am Deadline-Day über einen Wagner-Trade nachdachte und bloß keine Verletzung riskieren wollte. Am 25. März sah es dann erst nach einem Umzug nach Chicago aus. Doch die Transaktion wurde um ein drittes Team aufgeblasen und brachte Wagner schließlich im Gegenzug für Landsmann Theis zu den Celtics.


Was die Aussicht auf Playoff-Basketball angeht, ein Upgrade für den 23-Jährigen. Boston bleibt bisher zwar hinter den Erwartungen zurück, für das Play-In-Turnier sollte es im Gegensatz zu Washington aber mindestens reichen. Auch Wagners Rolle sollte klarer definiert sein. Fünf bis zehn Minuten Energie von der Bank bringen. Ausnahme war das Spiel gegen Dallas, wo er als Starter 16 Minuten ran durfte, dabei aber leider nur zwei Punkte und vier Rebounds auflegte.


ISAAC BONGA

#17 | Washington Wizards | Forward | 21 Jahre

In der NBA seit: 2018
Status:
Talent

Zum ersten Mal in seiner NBA-Karriere ist Bonga nicht mehr im gleichen Team wie Wagner. Dabei hätte der Forward zu einer neuen Chance bei einer neuen Franchise sicher nicht nein gesagt. Seine Minuten stiegen im März zwar wieder knapp, es bleibt jedoch dabei, dass der 22-Jährige nur in rund jedem zweiten Spiel eingesetzt wird und auch dann nicht gerade die wichtigsten Minuten geht.

Mehr als 1.6 Punkte, 1.8 Rebounds und 0.6 Assists im Schnitt waren da nicht drin. Wenig Spielzeit, aufgrund des engen Spielplans kaum Zeit zum Trainieren, keine G-League Möglichkeit. Hoffen wir, dass 2020/21 für Bonga kein verlorenes Jahr ist, denn mit seinen Anlagen bleibt er für den deutschen Basketball einer der spannendsten Spieler, der mehr kann als Eins-gegen-Null-Transition-Dunks