04 Mai 2021

4. Mai, 2021


Der letzte volle NBA-Monat hatte es aus deutscher Sicht wieder in sich. Teamwechsel, Ausfälle, sich stetig verändernde Voraussetzungen. Die NBAchef-Küche behält im Kraut-Report die Lage im Auge. 

von BJÖRN PAHLKE @newera0813 & GERRIT LAGENSTEIN @GAL_Sports | 4. Mai, 2021


DENNIS SCHRÖDER

#17 | Los Angeles Lakers | Guard | 27 Jahre

In der NBA seit: 2013
Status:
Starter

Die Bühne war bereit für den aktuell besten deutschen Basketballer. In Abwesenheit von LeBron James und Anthony Davis hätte Schröder gewichtige Argumente für eine dicke Vertragsverlängerung bei den Lakers sammeln könnten. Doch das klappte nur begrenzt. Im April legte der 27-Jährige zwar seinen Saison-Bestwert von 8,3 Assist pro Spiel auf, gleichzeitig sank aber auch die Punkteausbeute auf 15,8. Nur im Januar erzielte Schröder weniger Zähler pro Spiel.

Fazit: Ohne das Star-Duo waren beim Titelverteidiger zwar mehr Würfe für den Point Guard da, doch diese waren dafür auch deutlich besser verteidigt. Da ist es positiv anzumerken, dass Schröders Quoten mit 45 Prozent aus dem Feld und 37 von Downtown nicht wirklich sanken. Leider münzte sich das in nicht allzu viele Siege um. So gab es zwar Achtungserfolge gegen die Nets und Utah, aber halt auch neun Pleiten.


Davis und James kehren so langsam wieder zurück und das ist auch bitter nötig. Die Lakers weisen inzwischen die gleiche Bilanz auf wie die Mavs und Blazers. Eines der Teams wird ins Play-In-Turnier müssen. Sport1 sagte Schröder kürzlich, dass sein Team ihn für den X-Faktor für den Titel halte. „Dafür haben sie mich geholt.“ Das gilt es jetzt zu beweisen. Da passt es gar nicht, dass Dennis zum Monatswechsel wieder ins Gesundheitsprotokoll der NBA musste. Ausfallzeit ungewiss.


MAXI KLEBER

#42 | Dallas Mavericks | Forward | 29 Jahre

In der NBA seit: 2017
Status:
Starter

Für die Mavs könnte es bis zum Ende ein harter Kampf um ein direkten Playoff-Platz werden. Noch haben sie aber alles in der eigenen Hand. Das liegt unter anderem an einem starken Monat, der so langsam zeigt: Die Truppe um Luka Doncic stabilisiert sich. Konstanz heißt in diesem Fall das Zauberwort.

Maxi Kleber konnte seine stabilen Leistungen der letzten Monate nicht auf dem gleichen Level halten. Das liegt aber daran, dass seine Rolle zunehmend auf die Defensive beschränkt wird. Seine Punktausbeute hat sich im Vergleich zum Vormonat halbiert. So auch seine genommenen Würfe. Auch seine Quoten fallen unter die 40 Prozent. Besonders Schade ist seine negative Tendenz von außen. Lange konnte er sich sogar in den Top 5 halten, doch mittlerweile ist die Spitzentruppe doch ein gutes Stück entfernt. Wie unten zu sehen, hat er das Treffen aber nicht komplett verlernt.


Sicher werden die Zahlen an Maxi nicht spurlos vorbeigehen, doch wichtiger wird der Teamerfolg. Seine Leistungen werden weiter in der Defensive gebraucht. Kurzzeitig verlor er zwar seinen Startplatz, doch mittlerweile ist er wieder fester Bestandteil der ersten Fünf. Der ehemalige Würzburger hat großen Anteil an der guten Ausgangslage der Mavericks im Kampf um die Playoffs. Im Vergleich zur Konkurrenz haben sie das vermeintlich einfachste Rahmenprogramm. 

Reicht es am Ende für die Playoffs, wird die Nummer 42 damit klarkommen, wenn seine Wurffrequenz sinkt. Allerdings sollten mehr Freiwürfe als im April schon drin sein – er wurde nämlich kein einziges Mal an die Linie geschickt.



DANIEL THEIS

#27 | Chicago Bulls | Center | 29 Jahre

In der NBA seit: 2017
Status:
Starter/Bankspieler

Daniel Theis beweist aktuell, dass er keine lange Eingewöhnungszeit braucht und praktisch jedes Team verstärkt. Zumindest scheint eins klar: Theis und Chicago? Das funktioniert. Die Fanbase von Windy City liebt ihn und er gibt es ihnen in starken Leistungen zurück. Dabei funktioniert er sowohl defensiv als auch offensiv und hat Erfolg als Starter und von der Bank.

Und das, obwohl das Wort Erfolg immer seltener mit den Chicago Bulls in Verbindung gebracht wird. Seit dem Trade-Wirbel, der unter anderem All-Star Vucevic und auch Vanilla Theis anwehte, rücken die Playoffs in immer weitere Ferne. Doch den deutschen Center trifft dabei wenig Schuld. Er liefert. Auch wenn er nur neun seiner 14 Spiele startete, verbessert er seine Punktausbeute auf einen zweistelligen Wert, seine Wurfquoten verbessern sich gleichsam wie seine Board-Ausbeute.

Der Wert des ehemaligen Braunschweigers wird durch die gesteigerte Usage-Rate unterstrichen. Selbstverständlich ist Vucevic die erste Option unter dem Korb, doch Theis zeigt, dass er sich nicht nur auf defensive Aktionen beschränken muss. 

Besonders beeindruckend: Seine drei Double-Doubles. Wobei seine Performance beim Sieg gegen die Heat mit 23 Punkten, zwölf Rebounds, fünf Assists und zwei Blocks alles überschattet. Kein Wunder, dass Brad Stevens bei seiner Rückkehr in den TD Garden bekannt gab, wie sehr er ihn vermisst.



ISAIAH HARTENSTEIN

#55 | Cleveland Cavaliers | Center | 22 Jahre

In der NBA seit: 2018
Status:
Starter

Isaiah Hartenstein hat endlich ein Team gefunden, bei dem er beweisen kann, was er drauf hat. Sicher fegt er mit seinen Cleveland Cavaliers nicht mehr regelmäßig die Gegner vom Parkett, doch seine Rolle hat sich aufgrund kleinerer Konkurrenz deutlich vergrößert. 

Nachdem anfänglich noch ein Platz in der Starting Five zur Debatte stad, kommt Hartenstein von der Bank. Doch bei Einwechslung macht er einen mehr als nur soliden Job. Mit neun Punkten scort er im April viermal so viel wie noch im Monat zuvor. Seine starke Auftritte werden durch sechs Boards und über zwei Assists pro Spiel untermauert und mit einer Wurfquote von 67,1 Prozent komplettiert. 


Der Wechsel war wichtig für den deutschen Center, denn so bleibt ihm die Chance, sich bei anderen Teams oder auch seinem aktuellen Arbeitgeber für einen neuen Vertrag zu empfehlen. Die Chancen sollten gut stehen. Gerade wenn man sich Spiele anschaut, an denen er zweistellig Punktet oder an zehn Rebounds kratzt, mal sechs Assists liefert, mal vier Blocks oder drei Steals auf das Scoreboard bringt. Oder ihm gegen die Raptors gleich alles davon gelingt. 


MORITZ WAGNER

#20 | Orlando Magic | Center | 23 Jahre

In der NBA seit: 2018
Status:
Bankspieler/Starter

23 Tage währte die Amtszeit von Moe in Boston. Auf den Trade von den Wizards folgte nur kurze Zeit später die Entlassung. Die Celtics wollten die Kaderplatz lieber in Jabari Parker investieren. Der letzte Beweis dafür, dass der Rekordmeister Wagner im März nur an Land gezogen hatte, um Geld zu sparen. Dafür konnte der Berliner natürlich nichts. Mit nur 1,2 Punkten pro Spiel gab er den Verantwortlichen aber auch nicht viele Gründe, an ihm festzuhalten.

Nun lässt sich darüber streiten, wie viel mehr in neun Partien mit knapp sieben Minuten Einsatzzeit möglich gewesen wären. Darüber sollte und muss Moe aber gar nicht nachdenken. Denn die Saison ist für trotz der Entlassung noch nicht zu Ende. Am 27. April sammelten ihn die Orlando Magic auf und viel besser hätte es für ihn nicht kommen können. Das Team aus Florida hatte diese Saison keinerlei sportliche Ziele mehr. Das verspricht Spielzeit für junge Talente wie Wagner und auf den Big-Men-Positionen sind die Magic zudem nicht sehr tief besetzt.


Wenige Tage nach seinem 24. Geburtstag fackelte der Center nicht lange und legte in seinem dritten Spiel für die Magic gleich sein Season-High auf. Den Grizzlies schenkte er als Starter 24 Punkte ein. Besonders erfreulich: die vier Treffer von der Dreierlinie. Denn besonders die Quote von draußen war in Wagners bisheriger Karriere problematisch und dürfte über seine Nachhaltigkeit in der NBA entscheiden. Bei den Magic hat er jetzt noch acht Spiele Zeit, sich für die Free Agency in Sommer bestens in Stellung zu bringen.


ISAAC BONGA

#17 | Washington Wizards | Forward | 21 Jahre

In der NBA seit: 2018
Status:
Bankspieler

Die Situation bei den Wizards bleibt undankbar für Bonga. Die Hauptstädter sind gerade mitten in ihrem späten Playoff-Push, der sie aktuell auf den zehnten Platz im Osten geführt hat. Da sind die Minuten für die zweite oder dritte Garde rar gesät. Jedes dritte Spiel musste der 21-Jährige ganz aussetzen. In den übrigen Partien schwankte seine Einsatzzeit zwischen fünf und zehn Minuten.


Ausnahme der war knappe Sieg gegen die Pelicans, wo Bonga als Starter 21 Minuten ran durfte. Doch auch dort war er mit zwei Punkten und zwei Rebounds kein großer Faktor, weshalb ist nicht wundert, dass er in den entscheidenden Minuten des vierten Viertels und der Verlängerung auf dem Feld fehlte. Immerhin: Nur fünf Tage später erzielte er die meisten Punkte seit Ende Januar: sechs. 

Es scheint ein verlorenes Jahr für den 21-Jährigen zu sein. In sämtlichen Kategorien weist er in den Pro-36-Minuten-Statistiken schlechtere Werte als in den Vorjahren auf. Die Zeit in Washington wird Ende Mai enden. Es bleibt zu hoffen, dass ihm im Sommer ein anderes NBA-Team eine neue Chance gibt. Sollte dem nicht so sein, könnte Bonga von einem Zwischenjahr in Europa mit deutlich mehr Spielzeit auch nur profitieren.