17 Mai 2021

17. Mai, 2021


Nach gut fünf Monaten regulärem, zuweilen zähem Basketball, ist endlich die beste Zeit des Jahres angebrochen. Nach einem so noch nie dagewesenen Play-In Format geht die beste Basketball-Liga der Welt ab kommendem Wochenende in ihre spannendste Phase: die NBA Playoffs starten. Wir haben bei allen 20 Aspiranten den Schnellcheck gemacht - hier bei den Boston Celtics.

von MARCEL EGGSTEIN @EggsteinMarcel | 17. Mai, 2021


Flashback
[36-36, Platz 7 im Osten]
Die letztjährigen Eastern-Conference-Finals zeigten, dass sich die Celtics unter Danny Ainge auf dem richtigen Weg befanden und so war die Erwartungshaltung rund um die hochtalentierten Jayson Tatum und Jaylen Brown sowie Kemba Walker hoch. Die anfängliche Verletzung des Point Guards konnte das Team von Brad Stevens noch auffangen, den Ausfall von Marcus Smart weniger (18 Spiele, 9-9). Die Celtics rutschten vom 4. Platz ab und fanden sich im Kampf um die Play-In-Plätze wieder. Auch, weil sie es nicht schafften, den guten Teambasketball und die starke Verteidigung aus dem Vorjahr abzurufen – vielmehr verließen sich die Celtics zu oft auf individuelle Topleistungen ihrer All-Stars. Dass nun Brown nicht mehr zur Verfügung steht, ist besonders bitter.


Star Player
Jayson Tatum: Der 22-jährige Flügelspieler ist die offensive Lebensversicherung der Celtics. Die 26,4 Punkte, 7,3 Rebounds und 4,4 Assists pro Spiel sind Werte eines Allstars, der sein Team tragen kann. Regelmäßig treibt er gegnerische Verteidiger im Eins-gegen-Eins via Stepbacks, Fade-Aways oder Drives zur Verzweiflung. Dass er dabei laut eigener Aussage noch mit den Nachwirkungen seiner Covid-19-Erkrankung zu kämpfen hat, merkt man ihm nicht an.

X-Faktor
Kemba Walker: Der erfahrene Point Guard muss vor allem nach Browns Ausfall eine Schippe drauf legen. Bisher gab er den Kobolden als dritte Option gute 19,3 Punkte und 4,9 Assists pro Spiel. Dass Walker mit mehr Abschlüssen auch produktiver sein kann, steht dabei außer Frage. Viel wichtiger ist, dass er sich defensiv behaupten kann. Das wird entscheidend sein.

Calling The Shots
Brad Stevens: Seit mittlerweile acht Jahren steht der heute 44-jährige Übungsleiter an der Celtics-Seitenlinie. Als Verfechter eines modernen Teambasketballs und kluger Verteidigungsarbeit bereitet ihm die laufende Saison laut eigener Aussage die ein oder andere schlaflose Nacht. Diskussionen um seine Zukunft kommen allmählich auf – inklusive lukrativer Angebote, wie das aus Indiana, welches er ablehnte.


Good News
+ Tatum ist in der Lage, Spiele im Alleingang zu entscheiden
+ Robert Williams kann als Celtics-Center der Zukunft schon jetzt ein wichtiger Faktor sein 
+ Das junge Team kann nach Browns Ausfall frei aufspielen – sie haben nichts mehr zu verlieren

Bad News
- Die Offensive ist sehr isolationslastig und dadurch durchschaubar (Assists-Rang 24)
- Die Defense ist nicht Playoff-tauglich (Defensiv-Rating Rang 19) – nun fehlt noch Brown
- Klammert man die Rollenspieler Tacko Fall und Luke Kornet aus, fehlt es an Größe, um Embiid, Lopez, Jordan & Co. Paroli bieten zu können

Playoff-Rotation
Walker – Smart – Fournier – Tatum – R. Williams
Pritchard – Langford – Nesmith – Ojeleye/Parker – Thompson/Kornet


Winning Formula
Die Celtics treten die Flucht nach vorn an und werden den Ball in die Hände von Tatum geben. Seine individuelle Klasse am offensiven Ende braucht jedoch Unterstützung – und das konstant von Walker, Smart und Evan Fournier. Den Dreier treffen die Celtics gut (38%), sodass es darauf ankommen wird, die freien Schützen zu finden. Robert Williams wird derweil für Second-Chance-Punkte sorgen und hinten zusammen mit Smart jedem Angriff entgegentreten, als ob es der letzte wäre.

Scouting Report 
Die Celtics lassen den Ball kaum laufen, wenige Körbe sind via Pass vorbereitet (nicht assistierte Punkte, Rang 6). Daher ist es nahezu ausreichend, den Isolationen von Tatum oder auch Walker zu begegnen. In der offensiven Zone sind sie kaum präsent, defensiv dafür umso mehr – sie lassen die fünftwenigsten Punkte in der Zone zu. Dabei foulen sie jedoch recht häufig (Rang 24), sodass sie dadurch immer wieder Probleme bekommen.

Der Pick
Diese Celtics werden nicht über die erste Playoff-Runde hinaus kommen. Nach der Verletzung von Jaylen Brown fehlt es offensiv wie defensiv, um auch nur ansatzweise mit den Top-Teams der Eastern Conference mithalten zu können. Der Fokus dürfte bereits schon jetzt auf der kommenden Saison liegen. Und in dieser? Da können nun die jungen Spieler um Langford, Pritchard, Williams & Co. schonmal Basketball in Playoff-Atmosphäre genießen. Wenn auch nur kurz.