17 Mai 2021

17. Mai, 2021


Nach gut fünf Monaten regulärem, zuweilen zähem Basketball, ist endlich die beste Zeit des Jahres angebrochen. Nach einem so noch nie dagewesenen Play-In Format geht die beste Basketball-Liga der Welt ab kommendem Wochenende in ihre spannendste Phase: die NBA Playoffs starten. Wir haben bei allen 20 Aspiranten den Schnellcheck gemacht - hier bei den Indiana Pacers.

von JONAS RÖHRIG @JonasRo19 | 17. Mai, 2021


Flashback
[34-38, Platz 9 im Osten]
Eine chaotische Saison in Indiana neigt sich ihrem unrühmlichen Ende zu. Nachdem sie letztes Jahr über 60% ihrer Spiele gewannen, wurde Nate McMillan ausgetauscht, um eine modernere Offensive zu installieren. Dieser Plan schlug fehl: die Pacers gewannen weniger als die Hälfte ihrer Spiele in dieser Saison. Ohne das Play-in-Tournament würden sie die Playoffs sogar gänzlich verpassen - nicht das Ergebnis, das sie in Indianapolis anvisiert hatten.

Star Player
Domantas Sabonis: In Indiana dreht sich alles um den passstarken Litauer. Der 25-Jährige ist der Dreh- und Angelpunkt der Pacers-Offensive. 20 Punkte, 12 Rebounds und 7 Assists pro Einsatz sind ein Beleg für seine Vielseitigkeit und auch den Dreier traut er sich häufiger zu denn je (32% Trefferquote). Der zweifache All-Star ist Indianas vielseitigster und bester Spieler. 


X-Faktor
Caris LeVert: Dass LeVerts Trade zu den Pacers ihm aufgrund des im Medizincheck gefundenen Krebsgeschwür womöglich das Leben gerettet hat, ist eine der besonderen Storys dieser Saison. Noch bemerkenswerter: nach der Operation kam er schnell zurück und wieder in Fahrt. Indiana gewann mit ihm deutlich mehr als die Hälfte ihrer Partien. Wenn er seine in den letzten Wochen aufgelegten 26 Punkte und 7 Assists bei 43% Dreierquote auch nur halbwegs konservieren kann, geht Indiana selbstbewusst in die Play-in-Spiele.

Calling The Shots
Nate Bjorkgren: Der ehemalige Assistent von Nick Nurse in Toronto gilt als taktischer Savant, der aber in seiner ersten Saison als NBA Head Coach große Probleme in der Menschenführung offenbart hat. Berichten zufolge entschied sich beispielsweise T.J. Warren für eine saisonbeendende Operation, um nicht unter Bjorkgren spielen zu müssen. Auch während der Spiele kam es in den letzten Wochen wiederholt zu Ausfällen zwischen Spielern und Teilen des Trainerteams. Unabhängig vom Ausgang der Playoffs scheint Bjorkgrens Zeit in Indiana bereits wieder abgelaufen zu sein.


Good News
+ Im Kader steckt viel Talent, dass ausreichen könnte, um zwei Play-In Partien zu überstehen
+ Wenn alle fit sind, ist man auf allen Positionen doppelt gut besetzt
+ LeVert und Sabonis können an guten Tagen Spiele im Alleingang entscheiden

Bad News
- Defensiv-Anker Myles Turner fällt mit einer Fuß-Verletzung noch länger aus, auch Sabonis
LeVert und Brogdon hatten gegen Saisonende mit Blessuren zu kämpfen 
- Hinter den Kulissen ist jede Menge Stress, Bjorkgren ist quasi schon weg
- Das Team hat neben seinen Einzelkönnern keine konkrete offensive Identität


Playoff-Rotation
Brogdon – J. Holiday – LeVert – Sabonis – Turner
McConnell – A. Holiday – Lamb – McDermott/Brissett - Bitadze/Sampson

Winning Formula
Aufgrund ihrer starken Spielmacher auf mehrere Positionen ist der Ball ständig in Bewegung. Seit dem All-Star-Break spielt kein Team mehr direkte Korbvorlagen als die Pacers. Mit guten Schützen in Lamb, Holiday und McDermott strahlt Indiana somit konstant Gefahr aus, wenn LeVert oder Sabonis das Double Team ziehen. 

Scouting Report 
Die Pacers sind anfällig an den Brettern, hierauf sollte ein Schwerpunkt gelegt werden, denn nur vier Teams rebounden schlechter. Außerdem lassen sie die zweitmeisten Dreier der Liga zu, was ausgenutzt werden kann. Defensiv sollte versucht werden, LeVert zum Alleinunterhalter zu machen, um den Ball so oft wie möglich aus Sabonis' Händen zu halten. Denn LeVert hat im Mai die Offensive an sich gerissen, nimmt über 21 Würfe pro Spiel und trifft gerade mal 43% davon.

Der Pick
Trotz genug Talent in diesem Kader scheint es übertrieben zu behaupten, dass die Pacers sicher das Play-In Turnier überstehen werden. Sowohl die Hornets als auch die Wizards scheinen aktuell fokussierter und vor allem fitter zu sein - und mehr an ihre Chancen zu glauben. Boston hat mehr individuelle Klasse. Indiana muss hoffen, dass seine Leistungsträger alle auflaufen und positiv eingreifen können. Doch selbst wenn alles ideal laufen sollte, ist spätestens in der ersten Playoff-Runde gegen die Philadelphia 76ers Schluss.