20 Mai 2021

20. Mai, 2021


Nach gut fünf Monaten regulärem, zuweilen zähem Basketball, ist endlich die beste Zeit des Jahres angebrochen. Nach einem so noch nie dagewesenen Play-In Format geht die beste Basketball-Liga der Welt ab kommendem Wochenende in ihre spannendste Phase: die NBA Playoffs starten. Wir haben bei allen 20 Aspiranten den Schnellcheck gemacht - hier bei den Los Angeles Clippers.

von MARC LANGE @Godzfave44 | 20. Mai, 2021


Flashback
[47-25, Platz 4 im Westen]
Die Clippers starteten letztes Jahr als Top-Favorit in die Saison. In den Playoffs scheiterten sie erneut kläglich. Die Story ist bekannt. Seitdem agiert die Franchise ein wenig aus dem Schatten. Das Spotlight lag bislang auf Teams wie den Suns & Nets. Wieder mehr in der Rolle als Geheimfavorit unterwegs, spielen die Kalifornier eine bärenstarke Saison (ligaweit Platz 2 im Net Rating) und scheinen bereit, die Denver-Schmach vergessen zu machen.


Star Player
Kawhi Leonard: Bei dem Begriff „Load Management“ stellen sich bei vielen Clippers-Anhängern die Fußnägel auf. Kawhi Leonards Ansatz des sportlichen Maximalminimalismus ist mittlerweile aber eher ein Meme anstatt gängige Praxis. „The Klaw“ spielt wieder Back-to-Backs und dazu eine MVP-würdige Saison: 25.3 PPG, 6.6 RPG & 5.1 APG sprechen eine deutliche Sprache. Leonard wirkt frisch und fokussiert – zwei Attribute, die ihm letztes Jahr nicht durchgehend attestiert wurden und Hoffnung im Lager von Coach Tyronn Lue schüren dürften.
 
X-Faktor
Paul George: Um es kurz zu machen: All die Kritik an Paul George, der in den Playoffs zu „Pandemic P“ mutierte, war gerechtfertigt. Jedoch sind nur große Spieler in der Lage, sich aus so einem sportlichen und mentalen Loch noch einmal zurückkämpfen – und das tut der 31-Jährige bislang eindrucksvoll. Karrierebestwerte bei den Assists, der Feldwurf- und Dreierquote sowie rund 25 Punkte pro Partie unterstreichen dies. Nun muss George es jedoch schaffen, dieses Niveau auch in den Playoffs zu zeigen. Eine letzte Chance dazu hat er sich bisher definitiv verdient.

Calling The Shots
Ty Lue: Was macht einen guten Coach aus? Auf diese Frage gibt es viele richtige Antworten. In der heutigen NBA ist es jedoch von extremer Wichtigkeit, mit dem oder den Star(s) des Teams richtig umgehen zu können. Tyronn Lue hat diese Fähigkeit. Er bewies dies bereits in Cleveland, wo LeBron James zur Meisterschaft coachte. Er beweist es momentan mit Leonard und George. Obwohl Lue nicht der beste Playcaller der Liga ist, schafft er es trotzdem das Beste aus seinen Stars herauszukitzeln – für Los Angeles ein absoluter Glücksgriff.


Good News
+ Paul George so gut und konstant wie noch nie zuvor
+ Mit Rajon Rondo ist der dringend benötigte Floor General unter Vertrag
+ Eines von nur vier Teams, das sowohl beim Offensiv- als auch Defensivrating in den Top 10 ist

Bad News
- Leonard (Hand), Ibaka (Rücken), Beverley (Hand) gehen mit leichten Verletzungen in die Playoffs
- Ob Absicht oder nicht: von den letzten zehn Partien wurden nur vier gewonnen
- Enormer Druck, die Schmach des Vorjahres vergessen zu machen

Playoff-Rotation
Beverley - George - Leonard - Batum - Zubac
Rondo - Jackson - Mann/Kennard - Morris - Ibaka/Cousins

Winning Formula
Es wird alles eine Frage der Mentalität sein. Spielerisch, in der Offensive, in der Defensive: Die Clippers gehören in jeder Kategorie zur Elite der Liga. Doch was passiert in den Köpfen? Was, wenn das Team in der erste Runde auf einmal unglücklich 1:2 zurückliegen sollte? Oder Paul George alte Muster aufzeigt? Die Reaktion der Mannschaft auf solche Momente wird zeigen, aus welchem Holz sie wirklich geschnitzt ist.

Scouting Report 
Wie eben schon angedeutet, sind die Clippers mental nicht die stärkste Truppe. Das haben sie seit der Lob City-Ära immer wieder unter Beweis gestellt. Schafft es ein Team in die Köpfe oder unter die Haut der Jungs von Tyronn Lue, stehen erfahrungsgemäß schnell Totalausfälle auf dem Tagesprogramm. Trashtalk, frustrierend harte Defense und vielleicht mal ein glücklicher Gamewinner: Alles, was den Spielern den vermeintlichen „Playoff-Fluch“ ins Gedächtnis ruft, kann sie knacken.

Der Pick
Die Floskel „Championship or Bust“ trifft auf keine Organisation mehr zu als auf die Clippers. Die Zeichen bisher sind jedoch von positiver Natur: Coach Lue hat das Team im Griff, Leonard und George sind beide in besserer Form als vergangene Saison. Mit Rondo, Ibaka und Batum wurden genau die richtigen Spieler verpflichtet, um Los Angeles in schweren Playoff-Schlachten die nötige Toughness zu verleihen. Alles andere als zumindest die erste Conference Finals Teilnahme wäre erneut eine herbe Enttäuschung für Fans und Franchise.