22 Mai 2021

22. Mai, 2021


Nach gut fünf Monaten regulärem, zuweilen zähem Basketball, ist endlich die beste Zeit des Jahres angebrochen. Nach einem so noch nie dagewesenen Play-In Format geht die beste Basketball-Liga der Welt ab kommendem Wochenende in ihre spannendste Phase: die NBA Playoffs starten. Wir haben bei allen 20 Aspiranten den Schnellcheck gemacht - hier bei den Philadelphia 76ers.

von MARCEL EGGSTEIN @EggsteinMarcel | 22. Mai, 2021


Flashback
[49-23, Platz 1 im Osten]
Nach einer wiederholt ernüchternden Postseason unter Brett Brown begrüßte die Stadt der brüderlichen Liebe in Doc Rivers und Darryl Morey eine neue sportliche Führung. Die ging mit den Verpflichtungen von u.a. Seth Curry, Danny Green und Dwight Howard die Baustellen des Kaders konsequent an und schaffte es zudem, Ben Simmons und Joel Embiid zusammen erfolgreich Basketball spielen zu lassen. Die lange Verletzungspause ihres MVP-kalibrigen Centers hinderte die Sixers jedoch nicht daran, weiterhin zu gewinnen und den Platz an der Sonne zu verteidigen. Neben der tiefen Bank war es vor allem Fast-Allstar Tobias Harris, der während Embiids Abwesenheit das Team auch in engen Spielen anführte und zeigte, wie wichtig er für die Sixers ist.

Star Player
Joel Embiid: Der Kameruner scheint im Vergleich zu den vergangenen Spielzeiten verstanden zu haben, was es braucht um zu gewinnen. Denn in dieser Saison dominiert der 2,13m große und zugleich mobile Center nach Belieben – und das konstant auf MVP-Niveau. Dem Award steht wohl nur sein Krankenschein von mittlerweile 20 Spielen im Wege. Dennoch sind die 29,2 Punkte, 10,7 Rebounds sowie 1,4 Blocks in „nur“ 31,4 Minuten pro Spiel ebenso beeindruckend wie seine Quoten (55% Zweier, 38% Dreier, 86% Freiwurf). Bleibt er gesund, kann er die Sixers in die Finals tragen.

X-Faktor
Ben Simmons: Der Australier fliegt etwas unter dem Radar, da seine Zahlen wenig spektakulär daher kommen. Dabei betont Doc Rivers immer wieder seinen Wert abseits des Statistikbogens und tatsächlich zeigt der DPoY-Kandidat regelmäßig seine Qualitäten, wenn er entweder die Premiumscorer des Gegners einschränkt oder die Sixers-Offensive mit klugen Pässen lenkt. Es wird aber auch Spiele geben, in denen das Team Punkte von Simmons braucht – spätestens dann zeigt sich, ob er aggressiv genug ist und zum Korb kommt oder ob ihn sein bisher fehlender Wurf ausbremst.

Calling The Shots
Doc Rivers: Der Meistercoach von 2008 ist bekannt dafür, ein Team zu formen und jeden einzelnen Spieler zu fördern. Ob die Sixers „Ubuntu“ praktizieren, ist offen – die guten Vibes, die konstant guten Leistungen und vor allem die mentale Stärke auch in engen Spielen (24-8) sprechen definitiv für den Übungsleiter. Seine Erfahrung und Ansprache hilft dem jungen Kern. 

Good News
+ Simmons und Embiid haben gelernt, gemeinsam zu gewinnen
+ Die Bank der Sixers ist im Vergleich zum Vorjahr eine Klasse besser
+ Die Defensive der Sixers ist elitär und zählt zu den besten der Liga

Bad News
- Die Dreierquote ist solide (Rang 13), sie werfen jedoch viel zu selten (Rang 26)
- Das Team verliert zu oft den Ball (Rang 21) und begeht auch überdurchschnittlich viele Fouls (Rang 22), was in engen Partien wehtut
- 20 verpasste Partien in dieser Saison und die Erfahrung der vergangenen Jahre sorgen für Sorgenfalten bzgl. Joel Embiid, dessen Mitwirken während eines tiefen Playoff-Runs nicht garantiert ist

Playoff-Rotation
Simmons – Curry – Green – Harris – Embiid
Hill – Milton – Thybulle/Korkmaz – Scott/Tolliver – Howard

Winning Formula
Die elitäre Verteidigung der Sixers ist deren Schlüssel zum Erfolg – sie ist die Identität der Mannschaft. Aus dieser heraus agieren sie mit ihren schnellen Akteuren oft im Fastbreak. Im Halbfeld ist Embiid Dreh- und Angelpunkt der Offensive, die ihm mit Cuts und gut positionierten Schützen Optionen bietet, das Doppeln des Gegners zu bestrafen. Sitzt Embiid auf der Bank, haben die Sixers in Harris, Curry, Hill, Milton und auch Simmons Spieler, die für sich und andere kreieren können. 

Scouting Report 
Embiid muss beschäftigt, gar gestresst werden – mit smarten Doubleteams und wechselnden Gegenspielern. Er schafft es noch zu selten, das Doppeln zu bestrafen (2,9 Assists bei 3,1 Ballverlusten). Bei Ballgewinn muss es schnell gehen, da die Sixers eine schlechte Transitiondefense haben (zugelassene Fastbreak-Punkte, Rang 29).
Grundsätzlich ist es mit Blick auf Embiid, Simmons und auch Howard wichtig, die Zone zu kontrollieren – die Schützen der Sixers sind mit Ausnahmen zu vernachlässigen. Der Defensiv-Druck ist groß – so ist es wichtig, sorgsam mit dem Spielgerät umzugehen, um einfache Sixers-Punkte im Fastbreak zu vermeiden. 

Der Pick
Die Philadelphia 76ers stehen aus gutem Grund auf Platz eins im Osten – und sie werden auch in die NBA-Finals einziehen. Denn was braucht es sonst als einen MVP-kalibrigen Star, einen DPoY-Kandidaten, einen legitimen Drittstar, teamdienliche Veteranen mit Ringen an den Fingern, talentierte Jungprofis, gute Vibes, einen Meistertrainer an der Seitenlinie und eine Bank, die ihre Rolle perfekt ausfüllt? Am Ende geht es um Match-Ups und da haben die Sixers auf nahezu jedes Team im Osten eine Antwort.