21 Mai 2021

21. Mai, 2021


Nach gut fünf Monaten regulärem, zuweilen zähem Basketball, ist endlich die beste Zeit des Jahres angebrochen. Nach einem so noch nie dagewesenen Play-In Format geht die beste Basketball-Liga der Welt ab kommendem Wochenende in ihre spannendste Phase: die NBA Playoffs starten. Wir haben bei allen 20 Aspiranten den Schnellcheck gemacht - hier bei den Phoenix Suns.

von CHRISTOPH LENZ @NBAKenner | 21. Mai, 2021


Flashback
[51-21, Platz 2 im Westen]
Die Suns wurden vor der Saison trotz Bubble-Boom und dem daraus resultierenden Rückenwind zum Ende der Vorsaison überraschend selten als Geheimfavorit genannt. Das von Vegas avisierte Over/Under von 38,5 wurde bereits nach 54 Spielen (genau 75% der Saison) geknackt. Der Saisonverlauf beinhaltete dabei einen durchwachsenen aber soliden Start (11-9), eine bärenstarke Mitte (29-6) und ein ruhiges Ende der Regular Season (8-6). Die Suns waren stets ein überdurchschnittliches Team und wirken stabil genug, um pünktlich zu den Playoffs das Ruder wieder rumzureißen.

Star Player
Chris Paul: Der Point God erlebt bei seiner fünften NBA-Franchise seinen dritten Frühling und ist offensichtlich das perfekte Puzzle-Stück, das aus einem talentierten, aufblühenden Haufen einen veritablen Contender macht. Die Rolle des Stars teilt er sich de facto mit Devin Booker, aber seine Ankunft war nötig, um den nächsten Schritt zu gehen. Es ist beinahe poetisch: Der titellose Superstar, dessen Teams so oft Titel-Chancen zugesprochen wurden, und die titellose Franchise, deren Teams so oft Titel-Chancen zugesprochen wurden, tun sich zusammen und – wer hätte es gedacht – dem Team werden nun Titel-Chancen zugesprochen.


X-Faktor
DeAndre Ayton: Der Nummer Eins Draft-Pick aus dem Jahr 2018 spielt seine bisher effizienteste Saison am offensiven Ende und nutzt außerdem endlich sein körperliches Potenzial in der Defensive. Sein Mitwirken und sein Einfluss kann in den Playoffs das Zünglein an der Waage sein. Schon in der Regular Season war sein Input an beiden Enden des Courts oft Indikator für Erfolg und Misserfolg. Von 13 Spielen ohne Freiwurfversuch von Ayton konnten die Suns lediglich sieben (54%) gewinnen, von 21 Spielen mit mindestens zwei Blocks stolze 17 (81%). Zeigt er also in den Playoffs diesen Einsatz und diese Aggressivität, nimmt er eine Schlüsselrolle ein - insbesondere in einem möglichen Duell mit dem starken Lakers-Frontcourt.

Calling The Shots
Monty Williams: Der 49-jährige peilt im dritten Playoff-Run sein erstes Weiterkommen an. Die ersten beiden Versuche in New Orleans (einer davon gemeinsam mit Paul) brachten leider keinen Erfolg, allerdings war auch noch keine Regular Season seiner Teams so stark wie diese in Phoenix. Er erreicht die Spieler auf der menschlichen Ebene und der eher langsame und dem Spielermaterial angepasste Spielstil, der auf solider Defense basiert, führt bisher zu den gewünschten Ergebnissen. In den Playoffs sollte das ebenfalls abrufbar sein und wenn Williams auch nur einen Bruchteil der Bubble-Energie in seiner Truppe hervorrufen kann, muss der Westen zittern.


Good News
+ Kontinuität: Die Suns blieben von langen Ausfällen verschont und gehen als eingespielte Einheit in die Postseason!
+ Präzision: Als Team gleichzeitig in den Top Sechs „Assists pro Spiel“ und den Bottom Vier „Turnover pro Spiel“ zu rangieren ist extrem beeindruckend
+ Effizienz: Obwohl nur vier Teams weniger Dunks und Layups nehmen als die Suns, haben sie die zweitbeste Feldwurfquote der Liga

Bad News
- Grünschnabel-Alarm: Aus der Kern-Rotation haben lediglich Paul und Jae Crowder Playoff- Erfahrung
- Ohne Netz und doppelten Boden: Die zweite Garde könnte einen Ausfall der Top-Leistungsträger vermutlich nicht einmal annähernd auffangen
- Trend: In einem Saisonverlauf ohne große Ausrutscher geben die jüngeren Ergebnisse wenig Grund für Euphorie und Rückenwind

Playoff-Rotation
Paul – Booker – Bridges – Johnson – Ayton
Payne – Craig – Crowder – Saric – Kaminsky


Winning Formula
Das Rezept mit dem in Arizona die beste Sieg-Quote seit der D’Antoni-Nash-Ära erreicht wurde, basiert auf sehr traditionellen Werten und Tugenden, die in einer modernen und sehr progressiven Liga beinahe erstaunlich gut funktionieren: eine sehr klare und mittlerweile ungewöhnlich traditionelle Rollenverteilung und Positions-Zuordnung, kombiniert mit Fokus auf Fehlervermeidung und dem akribischen Herausspielen von guten Würfen wie Dreiern aus den Ecken. Klingt sehr einfach und grundlegend, in der Umsetzung von Paul, Booker und Co. ist es erstaunlich erfrischend und nachweislich erfolgreich.

Scouting Report 
Wenn Ayton nicht zu 100% fokussiert ist und/oder einen Sahne-Tag erwischt, können die Gegner durch gezieltes Attackieren mit großen physischen Spielern die Sonne untergehen lassen. Insbesondere ein mögliches Aufeinandertreffen mit den Lakers oder Nuggets und deren dominanten Big Men dürfte dem Coaching Staff um Monty Williams schon jetzt Kopfzerbrechen bereiten.

Der Pick
Mit Blick auf die „historischen Daten“ kann ein Team um Chris Paul maximal in die Conference Finals vorstoßen. Das ist auch für die Suns ein durchaus realistisches Szenario, vielleicht sogar das wahrscheinlichste. Je nach Matchup ist auch ein früheres Aus denkbar, aber auch der ganz große Wurf, also der erste Titel der Franchise-Geschichte scheint durch Gesundheit, Kontinuität und Fokussierung im Bereich des realistisch Möglichen.