21 Mai 2021

21. Mai, 2021


Nach gut fünf Monaten regulärem, zuweilen zähem Basketball, ist endlich die beste Zeit des Jahres angebrochen. Nach einem so noch nie dagewesenen Play-In Format geht die beste Basketball-Liga der Welt ab kommendem Wochenende in ihre spannendste Phase: die NBA Playoffs starten. Wir haben bei allen 20 Aspiranten den Schnellcheck gemacht - hier bei den Utah Jazz.

von LEON GÖHL @OlajuwonsE | 21. Mai, 2021


Flashback
[52-20, Platz 1 im Westen]
Die Utah Jazz sind Nutznießer der aktuellen Situation in der NBA. Im Gegensatz zu anderen Teams, die mit Ausfällen zu tun hatten und von Zeit zu Zeit mächtig strauchelten, blieben die Jazz auf Kurs. Diese Konstanz führte sie zur besten Bilanz der Liga, was gleichbedeutend mit Heimvorteil für die gesamten Playoffs ist. Exzellentes Coaching und ein eingeschworener Haufen sehr guter Spieler machte dies möglich. Das Titelfenster soll nun genutzt werden. 


Star Player
Donovan Mitchell: Ja, es gab zuletzt Stimmen, die hier Rudy Gobert anführten, ich halte dagegen mit dem Topscorer der Jazz. Wenn er heißläuft - und das können die Denver Nuggets bestätigen - dürfte es schwer werden, diese Utah Jazz vier Mal in sieben Spielen zu schlagen. Seine Verletzung stellt natürlich ein kleines Fragezeichen hinter diesem Pick, dennoch muss Mitchell die Hauptlast in der Offensive schultern und die schwierigen Würfe nehmen (und treffen). 26,4 Punkte, 4,4 Rebounds und 5,2 Assists im Schnitt sprechen für ihn. 

X-Faktor
Rudy Gobert: Der französische Hüne muss seinen Ruf ablegen, dass er in den Playoffs abbaut. Schafft er es, seine Gegner nach Switches vor sich zu halten und die Defense genauso so zu tragen, wie er es in der Regular Season tat, werden die Jazz zu einem absoluten Top-Favoriten auf den Titel. Potentiell kann er dies in Runde eins bereits beweisen, wo ein Matchup mit Stephen Curry und den Golden State Warriors anstehen könnte. 

Calling The Shots
Quin Snyder: Snyder ist ein exzellenter (Regular Season?) Coach, der mit einem minimalistisch komplexen Playbook seine Gegner immer wieder vor Probleme stellt. Die Frage ist nur, ob sechs Basisspielzüge ausreichen, um Nacht für Nacht Siege zu gewährleisten. Kann er zudem mehr als nur Drop Coverage verteidigen lassen, und ist der Mut da, den Ball in Mitchells Hände, weg vom erfolgreichen Teambasketball, zu legen? Die Playoffs werden Antworten liefern!


Good News
+ Das Team kennt sich, ging kaum verändert in die Saison und blieb von Verletzungen weitgehend verschont
+ Sowohl in der Offensive als auch in der Defensive ist dieses Team elitär
+ Playoffrotationen werden grundsätzlich kleiner, die verschiedensten Lineups kennen sich in- und auswendig 

Bad News
- Kann Gobert seinen Einfluss auch in den Playoffs geltend machen? 
- Ist Mitchell schon bereit, sein Team offensiv über mehrere Runden zu tragen? 
- Der Weg durch die Western Conference scheint schwerer denn je 

Playoff-Rotation
Conley - Mitchell - Bogdanovic - Ingles - Gobert 
Clarkson - O'Neal - Ilyasova - Niang - Favors 

Winning Formula
Utah spielt fantastischen, uneigennützigen Teambasketball - der jedoch muss in den Playoffs genauso funktionieren wie in der Regular Season. Der ultimative Superstar fehlt, weswegen es eine funktionierende Chemie braucht, um den "Bubble-Spirit" der letztjährigen Heat an den Salzsee zu verlagern. Die Defensive ist Elite, solange Gobert auf dem Parkett steht. Dieses Team kennt sich in- und auswendig, ist erfahren und in Playoff-Serien gestählt.


Scouting Report 
Gobert muss aus seiner KomfortZONE heraus gelockt und in Foulprobleme gebracht werden - dann bröckelt die defensive Wand. Vorne ist er ungefährlich außerhalb der Zone. Mitchell muss zu Einzelaktionen außerhalb des Teamkonzeptes gedrängt werden, dann überdreht er manchmal auf der Jagd nach seinem offensiven Fluß. Physischer Basketball kann Utah zusetzen - vor allem in einer langen Serie. 

Der Pick
Ich bin seit mehreren Jahren großer Sympathisant der Franchise und bin beeindruckt, wie man das Team nach dem Hayward Abgang aufgebaut hat. Deswegen traue ich ihnen durchaus die Meisterschaft zu. Hierfür bedarf es aber etwas Glück im Bracket und gute Gegner der Lakers, um etwaige Ermüdungserscheinungen beim Champ vor einem möglichen Aufeinandertreffen im Conference Finale zu provozieren. Gradmesser könnte die zweite Runde gegen die Clippers werden. Hat Utah das Zeug zum Titel?