03 Mai 2021

3. Mai, 2021


Weil das erste Jahr in der Karriere eines Basketballers besonders spannend ist, begleitet die #NBACHEF-Redaktion ausgewählte Talente und beleuchtet monatlich ihre Entwicklung. Was brachten die besten Frischlinge im letzten vollen Monat aufs Parkett? Wir haben genauer hingeschaut.

von NBACHEFSQUAD @nbachef_de | 3. Mai, 2021

ANTHONY EDWARDS

1. Pick 2020 | #1 | Minnesota Timberwolves | Wing | 19 Jahre


Stats April 2021:
21,6 PPG | 5,1 RPG | 3,3 APG | 43,7% FG | 34,4% 3FG | 77,0% FT in 16 GP

Highlight Games:
24 Pts, 5 Reb, 5 Ast, 8-8 FT bei der Niederlage gegen die Celtics [9.4.]
28 Pts, 3 Stl, 11-21 FG beim Sieg gegen die Kings [20.4.]
23 Pts, 9 Reb, 4 Ast, 5 Stl beim Sieg gegen die Jazz [24.4.]
25 Pts, 5 Reb, 10-19 FG beim Sieg gegen die Warriors [29.4.]

Die gefürchtete 'Rookie Wall' - sie ist nicht da für Anthony Edwards. Oder, wenn doch, hat er sie einfach übersprungen wie bei einem seiner zahlreichen Poster-Dunks! Je länger die Saison andauert, desto komfortabler und effektiver präsentiert sich der Nummer eins Pick, der längst zu den zwei, drei größten Aspiranten auf die Rookie of the Year Trophäe gezählt werden muss.

Einem bombastischen März legte Edwards einen noch besseren April hinterher. Kaum jemand bekommt es mit, weil die Timberwolves zu den miesesten Teams der Liga zähl(t)en. Der Teenager legte jedoch seine bisher besten Shooting-Splits über einen vollen Monat hin, kam auf fast Liga-durchschnittliche 55,4 Prozent True Shooting. Gleichzeitig verteilte er sechs Mal mindestens vier Assists - seine Entscheidungen mit dem Ball diversifizieren sich.  

Neu-Coach Chris Finch hat während seiner ersten Wochen im Amt vor allem an der Wurfauswahl mit Edwards gearbeitet, die wenig treffsicheren Pullup-Dreier aus dem Dribbling und komplizierten langen Zweier gestrichen. Edwards kam in zehn von 16 Partien auf 20 oder mehr Punkte, traf dabei für einen Rookie sehr solide 34 Prozent von der Dreierlinie, brach nebenbei den All-Time Rookie-Rekord für Dreier in einem Monat (44) und blieb gewohnt aggressiv mit dem Drive.


Seine Mischung aus Power, Sprungkraft und blitzschnellen Richtungswechseln brachte ihn im April insgesamt 74 Mal an die Freiwurflinie - ein elitärer Wert für einen Guard, und ein vielversprechendes Zeichen, dass sich der Youngster in den kommenden Jahren als einer der besten Scorer der Liga etablieren kann. Defensiv sowie im Zusammenspiel mit Karl-Anthony Towns kann er natürlich noch viel lernen. Dass die Wolves zuletzt etwas überraschend sechs von zehn Partien gewannen, hatte jedoch auch viel mit dem dynamischen 'Ant-Man' zu tun, der sich mehr und mehr wie ein kommender Star präsentiert.

– Seb Dumitru @nbachefkoch


JAMES WISEMAN

2. Pick 2020 | #33 | Golden State Warriors | Center | 20 Jahre


Stats April 2021:
9,7 PPG | 5,2 RPG | 50,0 % FG | 60,0% FT in  6 GP

Highlight Games:
13 Pts, 10 Reb, 1 Blk beim Sieg über die Milwaukee Bucks [6.4.]
18 Pts, 6 Reb, 9-11 FG bei der Niederlage gegen die Washington Wizards [6.4.]

Der Start in den April war für den Rookie solide. Der Monat war gerade fünf Spiele alt, Wiseman konnte sowohl gegen die Bucks mit 13 Punkten und 10 Rebounds, als auch im Match gegen die Wizards (18 Punkte und 6 Rebounds) überzeugen.

Dann kam das sechste Spiel des Monats gegen die Rockets. Wiseman stand genau sechs Minuten auf dem Platz, als er auf dem Weg zum Korb von Kenyon Martin Junior abgeräumt wurde. Die Landung sah bereits schlecht aus, als Wiseman dann jedoch humpelnd das Feld verließ, war bereits klar, dass das nichts Gutes bedeuten kann.

Die Diagnose kam umgehend: Meniskusriss und damit das Saisonaus für den 20-Jährigen. Die Operation scheint gut verlaufen zu sein und die Warriors erwarten den Big Man zur neuen Saison zurück – wir wünschen Gute Besserung!

– Stefan Dupick @hoopsgamede


LAMELO BALL

3. Pick 2020 | #2 | Charlotte Hornets | Guard | 19 Jahre


Stats April 2021:
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Highlight Games:
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"Der Nummer drei Pick wurde am 23. März von einem Handspezialisten operiert. Hornets GM Mitch Kupchak ließ die Möglichkeit offen, dass Ball noch vor Ende der regulären Saison aufs Parkett zurück kehrt. Der Youngster soll Ende April re-evaluiert werden."


Mit diesen Worten endete Balls letzter Eintrag im Rookie-Radar, nachdem er sich Mitte März bei einem Sturz verletzt hatte. Die Knochen heilten schneller als erhofft, Ball war Ende April wieder einsatzbereit und gab gegen die Detroit Pistons (11 PTS, 7 REB, 8 AST) ein Comeback nach Maß. Die Hornets stecken noch mittendrin im Kampf um die Play-In-/Playoff-Spots. Die Rückkehr des designierten Rookie of the Year wird sie beflügeln. 

– Seb Dumitru @nbachefkoch


PATRICK WILLIAMS

4. Pick 2020 | #9 | Chicago Bulls | Forward | 19 Jahre


Stats April 2021:
7,0 PPG, 3,9 RPG, 1,6 APG, 0,4 BPG, 1,3 SPG, 49,0% FG, 36,4% 3PT, 65,4% FT in 17 GP

Highlight Games:
11 Pts, 7 Reb beim Sieg gegen die Raptors (9.4.)
9 Pts, 6 Reb, 3 Stl bei der Niederlage gegen die Magic (15.4.)
12 Pts, 4 Reb, 3 Ast beim Sieg gegen die Cavaliers (18.4.)

Wer Patrick Williams länger beobachtet, kann zu der Vermutung kommen, dass der einzige Satz, den er laut ausspricht, folgender ist: „It was just a basketball play”. Jede großartige Aktion, die ihn in das Highlight Reel spült, beantwortet er mit dieser Aussage - so auch seinen Poster-Dunk gegen Block- Maschine Clint Capela. Er ist bescheiden und vielleicht ist genau das sein großes Problem.


Dabei kann Patrick Williams mit seinen Leistungen in mittlerweile 63 NBA-Spielen durchaus zufrieden sein. Seine Zahlen sind nicht übermächtig und im Vergleich gegen andere Rookies hinkt er im Rennen um den „Rookie of the Year“ deutlich hinterher. Dennoch hat er des Öfteren bewiesen, dass er es mit den besten der Welt aufnehmen kann. Das hat sich auch im April nicht verändert. 

Seine größte Stärke bleibt weiterhin seine Arbeit gegen den Ball. Die Defensive der Bulls hat im ehemaligen Spieler von Florida State seinen Ankerpunkt gefunden. Leider finden seine Mitspieler nicht viel Gefallen an der Verteidigung, sodass dies weiterhin die Schwachstelle des Teams bleibt. Dass Williams aber jeden Abend den besten Spieler des Gegners verteidigen darf, gibt ihm vor allem eins: wertvolle Erfahrung. 

Erfahrung konnte er im April genug sammeln. 17 Spiele weisen auf den vollsten Terminkalender in der jungen Karriere des Rookies hin. Dabei ging es für die Bulls meist nicht gut aus und die Playoffs rücken in immer weitere Ferne. Keine einfache Zeit. Auch die Nummer 44 litt unter den schwachen Leistungen und seine Quoten fielen genau so wie seine Punkte pro Spiel. 

Bedingt ist das durch eine nötige Umstellung auf neue Spieler in den eigenen Reihen. Der Forward muss erst lernen, wie er am besten mit Vucevic, Theis und Co. harmoniert. Das scheint aber leicht zu beheben, denn er arbeitet ständig an sich und wird alles versuchen, um das Team zu maximalem Erfolg zu führen. Wenn er das schaffen will, muss er aber vor allem mehr Aggressivität in der Offensive zeigen. 

Gerade durch den Ausfall von LaVine wäre es eigentlich an der Zeit gewesen, aus dem Schatten ins Scheinwerferlicht zu treten. Im April punktete er lediglich vier mal zweistellig und sein monatliches High lag gerade mal bei zwölf Punkten. Kein einziges Mal nahm er es mehr als acht Würfe in einem Spiel. Das ist deutlich zu wenig. 

Selbst Thad Young betont, dass der Rookie aggressiver werden soll. Das meint er nicht böse, sondern will ihn damit ermutigen, öfter das Heft in die Hand zu nehmen und das Spiel an sich zu reißen. Er sagt zugleich, dass seine Aggressivität das Team besser macht. Auch wenn Vucevic und LaVine die ersten Optionen bleiben, sollte Williams bereit sein, die dritte Option zu werden. 

Das Potential ist weiter riesig. In ihm schlummert ein Star für die Zukunft, der aber noch geweckt werden muss. Ohne offensive Verbesserungen wird er nicht der erhoffte Two-Way-Star, den die Bulls mit ihrem vierten Pick geholt haben wollen. Er befindet sich aber noch im Lernprozess. Seine harte Arbeit wird Früchte tragen. Und bei aller Kritik an seinem offensiven Input wird oft vergessen, dass Patrick Williams erst 19 Jahre alt ist. Er ist praktisch noch ein Kind und Kinder lernen bekanntlich am schnellsten.

– Björn Pahlke @newera0813


OBI TOPPIN

8. Pick 2020 | #1 | New York Knicks | Forward | 23 Jahre


Stats April 2021:
4,0 PPG | 2,4 RPG | 0,3 APG | 0 BPG | 0,2 SPG | 53,2% FG | 80% FT in 15 GP

Highlight Game:
8 Pts, 6 Reb beim Sieg gegen die Grizzlies [09.04.]

Neuer Monat, altes Leid! Auch der April brachte nicht die große Trendwende für Obi Toppin. Die Situation des Power Forwards wird sich diese Saison wohl nicht mehr ändern. Er kommt als Floor Spacer auf’s Feld und wenn er Glück hat, darf er mal einen Dreier nehmen. Gegnerische Defensiven lassen ihn dabei nach wie vor meist allein stehen – was bei einer Dreierquote von 29 Prozent auch nicht verwunderlich ist. 

Es war jedoch auch nicht alles schlecht im April. Toppin begann den vergangenen Monat mit vielversprechenden Spielen gegen die Mavericks, Pistons und Grizzlies, als er zumindest um die acht, neun Punkte auflegen konnte. Zwar flachten die Zahlen anschließend wieder ab, doch wer ganz genau hinschaute, konnte erkennen, dass er generell etwas aktiver und wacher wirkte. Obi bleibt nicht mehr dauerhaft wie angewurzelt draußen stehen, wenn seine Teamkollegen zum Korb ziehen.

Er beginnt besser zu verstehen, wie sich dadurch Freiräume für ihn ergeben und er diese durch harte Cuts nutzen kann. Er wird das jedoch konstant zeigen müssen, um ein Selbstverständnis mit seinen Mitspielern zu kreieren, die ihn weder wirklich suchen noch finden.


Die Leine von Coach Thibodeau ist traditionell kurz und wird es aller Voraussicht auch den Rest des Jahres bleiben. Den ein oder anderen defensiven Lapsus zu viel und Obi findet sich auf der Bank wieder. Da sollte sich niemand Illusionen machen. 

Nichtsdestotrotz muss man dem 23-Jährigen zugute halten, dass er sich voll in den Dienst der Mannschaft stellt. Die Veteranen im Team berichten von seiner Wissbegierde und er selbst hat sich noch nicht einmal öffentlich über seine eingeschränkte Rolle beschwert – obwohl dies sicher keiner einfache Situation für einen Lottery Pick ist. Wird Toppin in die richtigen Situationen gepackt, sehe ich immer noch ein großes Potential in ihm. Ob die Knicks ihm diesen Gefallen noch dieses Jahr tun werden, wage ich jedoch zu bezweifeln.

– Max Seelinger @urboimacks


DENI AVDIJA

9. Pick 2020 | #9 | Washington Wizards | Forward | 20 Jahre


Stats April 2021:
7,1 PPG | 5,6 RPG | 1,2 APG | 0,4 BPG | 0,7 SPG | 39,2% FG | 28,2% 3P% in 12 GP

Highlight Game:
16 Pts, 5 Reb, 4-7 Dreier beim Sieg gegen Orlando [07.04.]

Over und Aus. Nach 12 weiteren Spielen im April endet die Rookie-Saison von Deni Avdija mit einer Haarriss-Fraktur im rechten Bein vorzeitig. Die Verletzung wird ihn etwa drei Monate außer Gefecht setzen, was ihm zwar das Ende dieser NBA-Saison nimmt, aber ihn immerhin auf die so wichtige erste volle Offseason als NBA-Profi hoffen lässt.

Der April begann für den Israeli hervorragend und die ersten vier Spiele (darunter das Highlight gegen Orlando) gaben berechtigten Anlass zur Hoffnung. Doch wie so oft im Jahr Eins des Deni Avdija folgte auf Licht wieder Schatten. In den folgenden acht Partien traf er nur noch 34% seiner Würfe, dabei nur 22% seiner Dreier und konnte auch sonst zu wenig Einfluss aufs Spiel nehmen.

Der neunte Pick kam als 19-Jähriger (mittlerweile 20-Jähriger) in ein neues Land, in ein neu formiertes Team, und in ein in den letzten Jahren eher für Turbulenzen bekanntes Umfeld. Die Erwartungen der Öffentlichkeit waren von Beginn an hoch, wozu auch die Warriors-Gerüchte im Pre-Draft-Prozess beigetragen hatten, aber die Wizards gaben ihm im Saisonverlauf viele Chancen. zu lernen und integrierten ihn ins Team, ohne ihm Schwächeperioden vorzuwerfen oder ihn zu degradieren. 

So konnte er viel lernen und viel mitnehmen in einer alles andere als einfachen Spielzeit. Der Schlüssel wird nun sein, diese Erfahrungen in die Offseason zu retten und dort weiter zu wachsen. So kann Avdija mit Rückenwind aus einer instabilen Rookie-Saison in ein hoffentlich von Aufwind geprägtes zweites Jahr starten!

– Christoph Lenz @NBAKenner


TYRESE HALIBURTON

12. Pick 2020 | #0 | Sacramento Kings | Guard | 21 Jahre


Stats April 2021:

12,3 PPG | 2,2 RPG | 6,4 APG | 43,2% FG | 81,3% FT in 15 GP

Highlight Game:
24 Pts, 8 Ast bei der Niederlage gegen die Golden State Warriors [25.04.]
23 Pts, 10 Ast, 2 Steals beim Sieg gegen die Lakers [30.04.]

Tyrese Haliburton ist gut. So gut, dass ihn einige (mich eingeschlossen) als Rookie of the Year handeln. Nicht etwa, weil er besser ist als LaMelo Ball, sondern einfach weil er auf einem ähnlichen Level (bei mehr Spielen) spielt. Haliburton ist für mich einer von nur drei Rookies, die als Unterschiedspieler durchgehen können. Eben jener Ball, Houstons Jae'Sean Tate und Haliburton selbst.

Die gesamte Saison über spielt er auf einem ansehnlichen Niveau, versteht es seine Mitspieler klug in Szene zu setzen und kann vor allem dank seines Jumpers immer wieder für offensive Gefahr sorgen. Defensiv weiß er es mitunter seine langen Arme einzusetzen und punktet hier dank seiner Instinkte (1,5 Steals im April). Doch fehlt es hier ab und zu an der benötigten Physis, und da die Kings historisch schlecht sind, was das verhindern von Körben betrifft, kann er hier nicht sonderlich herausragen. 

Haliburton mag zwar nicht so spektakulär wie Edwards oder Ball spielen, aber er kann ein Team im zarten Alter von 20 Jahren dirigieren und lenken, was eine äußerst seltene Gabe ist. Zuletzt durfte er dies immer wieder von Anfang an beweisen, da Franchise Star De'Aaron Fox aufgrund des Health & Safety Protokolls ausfiel. Beachtlich ist, wie wenige Fehler Haliburton macht. Im Durchschnitt kommen auf einen Turnover 4,4 Assists im April (3,4 auf die gesamte Saison). 


Es zeigt eine Entwicklung, die ihm am Draftabend nur wenige zugetraut haben. Damals wurde gefragt, ob er seinen Wurf auf die NBA übertragen kann und falls dem nicht so ist, ob er immer noch ein guter NBA Spieler sein kann. Die KINGS(!!!) sahen dieses Talent und Haliburton belohnt es mit Leistung.
 
Quotentechnisch war der April sein schlechtester Monat und obwohl Haliburton bisher über keinen Drive verfügt (1 FTA pro Spiel), konnte er sich als Playmaker steigern und spielte hier seinen bisher besten Monat, in einer ohnehin schon guten Saison. Spannend wird es zu sehen sein, wie es bei Fox' Rückkehr aussieht, da dieser Haliburton mehr Räume öffnen wird und die Quoten tendenziell wieder steigen könnten. 

Obwohl die Saison der Kings konstant inkonstant war, bleibt Haliburton weiter sehr gut, sollte den ROY-Award gewinnen und die Kings dann gemeinsam mit Fox in eine bessere Zukunft führen. Es wäre ihm zu wünschen. 

– Leon Göhl @OlajuwonsE


COLE ANTHONY

15. Pick 2020 | #50 | Orlando Magic | Guard | 20 Jahre


Stats April 2021:
13,4 PPG | 2,3 RBG | 2,2 APG | 0,8 SPG | 37,1 FG% | 35,3 3P% | 73,5 FT% in 12 GP

Highlight Games:
19 Pts, 7 Reb, 5 Ast, 6-12 FG bei der Niederlage gegen die Raptors [16.4.]
15 Pts, 7 Ast, 4 Reb, 0 TO, 6-11 FG bei der Niederlage gegen die Lakers [26.4.]

Endlich zurück! Außer Gefecht seit Anfang Februar gab Magic-Rookie Cole Anthony am 7. April sein Comeback. Aus Mangel an Alternativen ernannte ihn Coach Clifford bereits nach fünf Spielen von der Bank zum Starter. Nach rostigem Start (13-42 FG) in den ersten drei Partien, traf er in den restlichen zehn Begegnungen im April 47,5 Prozent seiner Würfe.
 
„So ‘ne Drecks-Franchise“, antwortete mir Max, der sich hier um Obi Toppin kümmert, auf meine Nachricht bezüglich der soliden Zahlen von Cole Anthony seit dessen Comeback. „Wer sonst soll da Zahlen auflegen?“ Auf der einen Seite hat er damit natürlich nicht ganz Unrecht. Die Magic machen sich seit Jahren als Franchise mindestens angreifbar, wenn nicht sogar strafbar. Zudem stehen Anthonys Statistiken zum Teil sicher unter dem Stern „Good-Stats-Bad-Team“. Dennoch habe ich Einwände, dem jungen Point Guard hier seine positive Entwicklung abzusprechen:

Nach fast zwei Monaten Zwangspause deutet Anthony Fortschritte in Problemzonen an und unterstreicht Stärken, die ihn bereits vor der Verletzung auszeichneten. Allen voran ist hier sein Einsatz zu nennen. Kein Ballbesitz, ob offensiv oder defensiv, vergeht ohne 110 Prozent Hustle seitens des Rookies. Defensiv lässt er sich nicht von größeren Spielern einschüchtern, hält dagegen mit allem, was er hat. Zudem gibt er sich Mühe, abseits des Balles aufmerksam zu bleiben und ist in den Passwegen aktiv. Unter allen Rookie-Guards rangiert Anthony sowohl in Rebounds (4,8 / 2.), Offensivrebounds (0,9 / 4.), Blocks (0,5 / 2.) und Freiwurfversuchen (3,9 / 3.) pro Spiel in der Top-Five.
 

Offensiv trägt der 20-Jährige als nomineller Aufbau viel Verantwortung. Zum Großteil wirkt er als Initiator der Offense, gelangt aber auch immer wieder zum eigenen Abschluss (24,2 USG%). Seine Entscheidungsfindung und Wurfauswahl waren in den ersten NBA-Monaten die größte Baustelle. Ein Blick auf Januar und April, die beiden einzigen Monate, in denen er auf mehr als zehn Einsätze kam, deutet in diesem Bereich jedoch einen Positivtrend an. 

Im Vergleich zum Januar nahm Anthony im April einen größeren Anteil seiner Würfe in der Zone oder der Restricted Area (51,7% vs. 56,1%). Im Gegenzug reduzierte er seine Versuche aus der Mitteldistanz (14,7% vs 12,9%). Dass sein True Shooting insgesamt von dieser Entwicklung profitiert, dürfte einleuchten (46,3 TS% vs 51,5 TS%).

Was mich an dem Jungen am meisten beeindruckt sind der oben erwähnte unermüdliche Einsatz und ein Selbstbewusstsein, das bei Rookies selten zu beobachten ist. Nachdem die Magic noch am 30. April mit 17 von den Grizzlies nach Hause geschickt wurden, riss Anthony das Rückspiel am Tag danach an sich. Er beendete den Abend mit einem Career-High von 26 Punkten (10-11 FT). Seine acht Rebounds, sechs Assists und drei Steals wurden fast zur Nebensache, denn mit zwei Punkten Rückstand und ebenso viel Sekunden auf der Uhr netzte Nummer 50 den zweiten Dreier zum Sieg seiner noch jungen Karriere. 

„[I] seen I had Kyle Anderson on me and [I] was like ‘yeah, it’s game time’. [I’m] trying to get this money”, schickte Anthony nach dem Spiel Grüße an seinen Verteidiger – unterbewusst auch an meinen Freund Max, der nach solchen Aktionen und Aussagen hoffentlich auch endlich auf die Idee kommt, Anthony seinen Respekt zu zollen. Carry the hell on…

– Lucas Kröger @kicktherim


IMMANUEL QUICKLEY

25. Pick 2020 | #5 | New York Knicks | Guard | 21 Jahre


Stats April 2021:
9,3 PPG | 1,9 RPG | 1,5 APG | 42,3 FG% | 44,6 3P% | 92,9 FT% in 15 GP

Highlight Games:
20 Pts, 4 Reb, 2 Ast, 1 Stl, 7-12 FG beim Sieg über die Grizzlies [9.4.]
20 Pts, 4 Ast, 1 Stl, 7-11 FG beim Sieg über die Hawks [21.4.]

Nachdem Quickleys Wurf im März etwas wackelte, haben sich IQs Quoten im April wieder gefangen. Während der Siegesserie der Knicks traf der Rookie-Guard 50 Prozent seiner Dreierversuche (4,2 3PA). Damit hatte er trotz schwankender Einsatzzeiten einen gehörigen Anteil an New Yorks Sturm auf die Homecourt-Plätze im Osten.

Dennoch blieb Coach Thibs‘ Leine kurz: In neun von 15 Auftritten blieb Quickley bei weniger als 20 Minuten. Dementsprechend war auch seine Produktion von Hochs und Tiefs geprägt. Zwei Mal explodierte er allerdings. So zum Beispiel beim Sieg gegen die Grizzlies am 9. April. IQ stand über 30 Minuten auf dem Parkett, traf fast 60 Prozent seiner Würfe (4-6 3P), ging für 20 Punkte und war damit einer der Spieler, die beim 129:133-Thriller den Ausschlag für den Sieg der Knicks machten.
 
Diese Ausschläge nach oben sind auch ein Grund, weshalb Thibodeau ihm trotz fehlender Konstanz weiterhin Vertrauen schenkt. IQ zahlte dieses zum Beispiel beim Sieg in Verlängerung gegen die Hawks zurück, als der den Last-Minute Dagger-Three in der Verlängerung netzte. Oder als er elf seiner 13 Punkte gegen die Bulls im Schlussviertel sammelte! 


Eine Anekdote aus dem Training unterstreicht nochmal, dass Thibs seinem Shooting Guard den Rücken stärkt: Der Knicks-Coach berichtete kürzlich davon, dass sie im Training eine Vier-Punkte-Linie auf’s Parkett gezeichnet haben. Quickleys Effizienz pendele sich im Vergleich zur normalen Dreierlinie auf demselben Niveau ein. Er betonte sogar, dass er nichts dagegen einzuwenden habe, wenn IQ von ein paar Meter hinter der Dreierlinie abdrücke. Ganz im Gegenteil, er befürworte das sogar, schließlich seien das für den 21-Jährigen „bessere Looks!“

– Lucas Kröger @kicktherim


ROOKIE OF THE YEAR POWER RANKING

1. LaMelo Ball (Charlotte Hornets)
3. Tyrese Haliburton (Sacramento Kings)
4. Jae'Sean Tate (Houston Rockets)
5. Saddiq Bey (Detroit Pistons) 

Im erweiterten Kreis: Cole Anthony, Chuma Okeke (beide Orlando Magic), Immanuel Quickley (New York Knicks), Patrick Williams (Chicago Bulls), Killian Hayes, Isaiah Stewart (beide Detroit Pistons), Facundo Campazzo (Denver Nuggets), Malachi Flynn (Toronto Raptors), Isaac Okoro (Cleveland Cavaliers), Desmond Bane, Xavier Tillman (beide Memphis Grizzlies), Theo Maledon, Aleksej Pokusevski (beide OKC Thunder), Jaden McDaniels (Minnesota Timberwolves), Payton Pritchard (Boston Celtics), James Wiseman (Golden State Warriors)