23 Mai 2021

23. Mai, 2021


Superstars entscheiden Titelrennen. Um überhaupt in Championship-Position zu kommen, braucht es jedoch eine andere Sorte Stars: Stars in ihrer Rolle. Egal ob Shooter, Defender oder Alleskönner - die Rollenspieler werden zum Zünglein an der Meisterschaftswaage. Heute: Seth Curry.

von MARCEL EGGSTEIN @EggsteinMarcel | 23. Mai, 2021


NBA-Playoffs ohne Steph Curry? Leider ja. Der zweifache MVP, dreimalige Meister und aktuelle Topscorer der Liga verpasste mit seinen Warriors erneut die Postseason, sodass die Fans auf einen der absoluten Superstars verzichten müssen.    
Von diesem Status ist sein Bruder Seth meilenweit entfernt. Der 30-Jährige fliegt oft unter dem Radar und erhält nicht annähernd die Aufmerksamkeit, die seinem zwei Jahre älteren Bruder zuteil wird. Und das ist auch nachvollziehbar. Denn auf der einen Seite stehen 24.2 Punkte und 6.5 Assists pro Spiel für die Dubs, bei 43 Millionen US-Dollar Jahresgehalt. Und auf der anderen 10.5 und 1.9 für sieben verschiedene NBA-Teams und derzeitigen 8.5 Millionen US-Dollar – Karrierewerte und Zahlen, die einerseits Franchiseplayer/MVP und andererseits Rollenspieler/Journeyman zeigen.


Letzterer startete ziemlich holprig in die Liga: Im Draft 2013 nicht berücksichtigt, prägten G-League-Anstellungen und 10-Day-Contracts seine Anfangszeit. Erst im Jahr 2019 unterzeichnete er in Dallas seinen ersten nennenswerten Vertrag (vier Jahre, $32 Millionen). Mittlerweile ist der in Charlotte (North Carolina) geborene Shooting-Guard in Philadelphia gelandet und gibt dem Team von Coach und Schwiegervater Doc Rivers das neben Joel Embiid und Ben Simmons so essenzielle Shooting. 

So ist der Mann mit der Nummer 31 bei den Sixers erstmals in seiner Karriere ausgewiesener und unumstrittener Starter. Zwar begann der ehemalige Duke Blue Devil schon in Dallas die Hälfte aller Spiele (67 von 134) – in dieser Saison hat seine Rolle jedoch eine andere Gewichtung, zumal bei einem Contender. 


Und dieses Vertrauen zahlt der Sohn von Dell Curry in besonderer Weise zurück. Denn seine diesjährigen Zahlen kratzen am persönlichen Karrierebestwert (12.8 Punkte und 2.7 Assists pro Spiel in der Saison 2016/17): In durchschnittlich 28.7 Minuten legt er gute 12.5 Punkte und 2.7 Assists pro Spiel auf. Bemerkenswert sind dabei seine Quoten: 46.7% FG, 45% Dreier und 89.6% FT. Noch bemerkenswerter – er war 19 Spiele lang auf dem Weg, eine 50-50-100-Saison aufzulegen. Bis er in Phoenix einen Freiwurf daneben legte. (Dieses Kunststück gelang nun tatsächlich Tony Snell – bei geringem Volumen natürlich. Doch das nur am Rande).

Seth Curry spielt bei den Sixers eine wesentlich größere Rolle und hat definitiv andere Ziele. So ist zum einen die Gesundheit zu nennen: Der 1.88m große Guard erkrankte im Januar an Covid-19, hatte nach eigenen Aussagen bis in den April hinein mit den Folgen der Krankheit zu kämpfen und brauchte lange, um zurück zu alter Stärke zu finden. 


Zum anderen ist da die Meisterschaft. Nur die zählt in Philadelphia, und mit Start der Playoffs scheint sie nicht unrealistisch zu sein. Denn die Sixers gehen als Top-Seed in die Postseason und treffen frühestens in den Conference-Finals auf die Milwaukee Bucks oder Brooklyn Nets. 

Am Ende ist es egal, wem die Sixers gegenüber stehen – Seth Adham Curry wird wie gewohnt hochprozentig treffen und seinem Team das geben, was es braucht: Shooting. So, wie sie es sich in der Stadt der brüderlichen Liebe erhofft haben. Seine 45% von Downtown bedeuten ligaweit Platz sechs, sodass also einer der derzeit besten Dreierschützen in Philadelphia spielt. Soviel Aufmerksamkeit muss sein. Denn die hat sich Seth Curry verdient. Und sollte er tatsächlich einen Titel gewinnen, dann ist die Curry-Familie um eine weitere Anekdote reicher.