07 Juni 2021

7. Jun, 2021


Superstars entscheiden Titelrennen. Um überhaupt in Championship-Position zu kommen, braucht es jedoch eine andere Sorte Stars: Stars in ihrer Rolle. Egal ob Shooter, Defender oder Alleskönner - die Rollenspieler werden zum Zünglein an der Meisterschaftswaage. Heute: Jae Crowder.

von LEON GÖHL @OlajuwonsE | 7. Jun, 2021


"Ich glaube Jae Crowder löst gerade seinen Bausparvertrag auf", "Crowders Vertrag wurde um drei Jahre verlängert, damit er das Denkmal für den ersten Titel vor der Arena mauern darf!"

Jae Crowder wurde vor der Saison geholt, damit Phoenix nach jahrelangem Warten endlich wieder ein Playoffspiel bestreiten kann, vielleicht sogar gewinnen. So galt er im Herbst als zweitwichtigstes Signing der Franchise aus Arizona. Nach einem gewissen Chris "Point God" Paul, versteht sich. 

Möchte man es so auslegen, dann hat Crowder seine Rolle erfüllt und es bräuchte nicht die eingangs erwähnten Zitate. Die Wahrheit aber ist, dass sich die Ansprüche in Phoenix während der Saison geändert haben. Platz zwei im Westen und taumelnde Lakers als Gegner? Da könnte was gehen. Playoff-Serien werden häufig vom besten Spieler auf dem Feld entschieden. Dieser wird Crowder niemals sein, doch in seiner Rolle als eminent wichtiger 3-and-D-Wing ist er aus kaum einer Starting Five hinauszudenken. 

Ja, das (3er-)Shooting ist wechselhaft, und die Geister scheiden sich nicht zuletzt deshalb und aufgrund des hohen Vertrages an Crowder. Dass Crowder den überhaupt bekommen hat ist aber Indiz dafür, wie wichtig er auch im Jahr 2021 noch als Wing Defender ist, tummeln sich doch auf diesen Positionen meist die besten Offensivspieler des Gegners. 

Doch alles auf Anfang. Crowder ist keiner der Spieler, die mit aberwitzigem Talent gesegnet sind. Er galt nie als möglicher Star und musste sich demzufolge seinen Platz - oder besser gesagt seine Rolle - in der NBA hart erarbeiten. Angefangen in Dallas, pendelte er zeitweise zwischen Rotation und DNP. Der Dosenöffner seiner Karriere wird wohl der Trade der Mavs für Rajon Rondo gewesen sein. 

In Boston erlebte Crowder für ihn persönlich erfolgreiche Jahre und spielte sich so in den Fokus des gemeinen NBA-Fans. Bei weiteren Stationen in Utah, Memphis und Miami war er zur rechten Zeit am rechten Ort. Zur Trading-Deadline von den Heat akquiriert, verhalf er Miami zu ihrem NBA Finals Run und kassierte danach ab. 

Drei Jahre, 60 Millionen US-Dollar, aufstrebendes junges Team in Phoenix, Contender, Mörtelmeister. Ja, er verteidigt gut, kann phasenweise im Spielaufbau für zeitweise Entlastung sorgen ("dann wirft er wenigstens nicht") und spielt generell kaum fehlerbehaftet. 

Crowders Rolle wird aber in diesen Playoffs deutlicher denn je. "Trifft er den Dreier nicht zumindest mit 38%, so ist er seinen Vertrag nicht wert", hört man manchmal. Das stimmt so nicht ganz, denn in der Serie gegen die Lakers konnte er ein On-Off von +26,5 vorweisen. 

Es deutet alles darauf hin, dass er selbst mit fehlendem Shooting positiven Einfluss auf ein Spiel ausübt. Ach ja, im alles entscheidenden Game 6 traf Crowder 6-9 Dreier und trug somit auch für alle auf dem Stat-Sheet ersichtlich maßgeblich zum Sieg bei. 

Die Suns sind mittlerweile Contender und stehen zu recht in Runde zwei. Wollen sie tatsächlich eine Chance auf den Titel haben, so muss Crowder weiter so abliefern, wie er das bisher tut, und zusätzlich seinen Wurf stabilisieren. Die nächste Aufgabe wartet nun mit Michael Porter Junior und Nikola Jokic, doch seine Rolle und seinen Wert hat Crowder schon längst demonstriert.